Begegnungen

Es gibt sie überall, diese Paranoiden! Sie wehren sich dagegen, Ihren Namen irgendwo zu hinterlassen, auf Fotos im Internet zu erscheinen, sind weder bei StudiVZ noch bei Xing, und halten das für richtig.

Und sie haben völlig Recht.

Ich war auch mal so, bis ich dem öffentlichen Druck nicht mehr stand hielt und auch lustig Freunde sammeln wollte. Und so tummelte ich mich wie alle anderen auf diversen Seiten und war vergnügt. Ich hatte immer diese böse Ahnung, dass einem das irgendwann zuviel wird und man den Überblick verliert. Es ist wie Gruppensex ohne Verhütung und mit Eimer überm Kopf. Nur, dass man seine Visitenkarte auf jeden Körper klebt, den man da grad befingert hat. Und ein Foto. Und die Daten seines Arbeitgebers. Und die der Eltern, Großeltern und Freundesfreunde. Und sein Tagebuch. Und einen Gebiss-Abdruck. Und die befummelte Person macht alsbald Fotokopien aller Daten und klebt sie mit ihren eigenen auf den nächsten Kadaver. Also ... so KÖNNTE es sein, ich weiß es nicht. Ist ja widerlich.

Jedenfalls kam es, dass ich mit einer jungen Dame Mails schrieb. Sie bekannte sich sofort zum Business, in dem auch ich arbeite. Worauf ich heiter und unbesorgt meine Meinung zu diesen Menschen kund tun wollte (ich berichtete weiter unten). Aber halt! Im letzten Moment besann ich mich, löschte ein paar Zeilen und verkündete, dass ich gern was sagen würde, bzw. auf meinen Blog verweisen würde, dies aber lieber sein ließe. Ich hätte Bewerbungen laufen und wisse ja nicht, ob ich IHR auch schon eine geschickt hätte. Den Gedanken fand ich lustig. Denn, da hatte ich einen lichten Moment, es mag sein, dass ich da grad der Personalchefin von soundso schreibe, die vielleicht keine bösen Absichten hegt, aber sicher auch niemanden einstellen möchte, der alles Scheiße findet, was er zu tun hätte. Und in diesem Leben kommt Broterwerb vor Liebesmüh.

Wer mich und mein Leben kennt, weiß, was jetzt kommt.

Ich bekam des Abends eine Mail von ihr. Sie sagte, dass sie ehrlich sein wolle. Ich hätte völlig Recht gehabt mit meiner Vermutung. Tatsächlich hatte sie meine Bewerbung auf dem Tisch! Ich lief in rapidem Wechsel von schreiend und kichernd um den Wohnzimmertisch und entnahm mir etwas Haupthaar. Sie beruhigte mich allerdings, indem sie mir sofort mitteilte, dass sie mit der Rekrutierung der Mitarbeiter nichts am Hut habe und deshalb alles ganz unproblematisch sei. Sagte ich, dass sie mich beruhigte? Das tat sie natürlich nicht! Doch für sie schien es keine größere Angelegenheit zu sein, weshalb sie zu weiteren Themen überging. Und der Herr sei gepriesen für diesen ultimativen Test: Obwohl sie so ziemlich alles ergoogelte, was ich je im Internet hinterließ, kam sie nicht zu diesem Blog. Es wäre wohl in Ordnung gewesen, aber es ist gut zu wissen.

Und so habe ich heute viel gelernt über Dinge, die man nicht tun sollte. Das Internet ist ein sehr kleiner Ort, in dem man nichtmal ein Fahrrad braucht. Und die Dame, die hier Erwähnung fand, ist zwar schwer auf Scheibe, was die Benutzung von Suchmaschinen betrifft, aber mit etwas Glück schaffen das auch andere mit den nötigen Informationen.

Und die ultimativen Regeln lauten: Verwende niemals ein Foto im Internet, was auch Deiner Bewerbung beiliegt! Nein, so doof war ich nicht, aber Regel Nr. 2 lautet: Verwende auch nie ein Foto für diese beiden Zwecke, auf dem Du die gleichen Klamotten trägst! NIEMALS! Unterschätze nie die dunkle Seite der Suchmaschinen.

Dieser Blog bleibt bestehen. Ansonsten herrscht hier aber fortan Paranoia auf maximaler Stufe.

Gedanken zur Nacht, Pt. 3

Ihr könnt mir den Tag versüßen,
mich vorm Fernsehn knusprig grüßen!
In Schokohülle eingegossen,
könnt ihr mein Leben wandeln.
Ihr schaurig süßen Mandeln.

Doch ihr, im Hals, Ihr Arschgesichter!
Ihr ganz nah am Einfülltrichter!
Der Doktor sagt, ihr seid erzürnt,
weil's draußen regnet und auch stürmt!
Ihr könnt nen Abend schön verschandeln,
Ihr Drecksarschgeigenmandeln!
Man sollte Euch auch so behandeln!

Apostrophale Zustände

Weil ich hie und da mal gefragt werde, was "Hodis" sei, erkenne ich, dass Schreien keine Lösung ist und biete eine andere.

Hier also die Regeln für die Benutzung des Apostroph, also dem kleinen Üsselchen mit großer Wirkung. Vorher möchte ich mich allerdings deutlichst und in jeder Form von diesem Bastian Sick (man kann diesen Namen so trefflich aussprechen ... SICK!) distanzieren. Furchtbarer Hosenscheißer. Sowas hat man auf dem Schulhof verkloppt!

Jedenfalls könnte man diesen Blog "Hodi's Welt" nennen. Und alle würden es verstehen. Aber ich verkaufe hier keine Fritten und beuge mich nicht! Auch dem Duden nicht, der mittlerweile alles erlaubt, damit die PISA Ergebnisse besser aussehen.

Hier! Merken:

1. Bei Mama war es lecker. Oder: Bei Mama war's lecker.
2. Hans' Kartoffelacker. Anstatt: Hans sein Kattoffelacker oder "sein Name ist Hans Kartoffelacker"
3. Die Grimmschen Märchen. Oder: Die Grimm'schen Märchen.

4. Und jetzt mein liebster Liebling. Deswegen habe ich nur noch wenig Haare: 'nen, 'n, 'ne
"Einen" kürzt man mit 'nen ab.
"Eine" mit 'ne
Und "ein" folglich mit 'n
MAN LÄSST NUR DAS EI WEG! UND MAN DARF DAS NICHT EINFACH VERMISCHEN! ICH KAUF MIR NEN AUTO? NEIN!!!!!

Hinweis:
Schraube's Tattooshop und Willi's Werkstatt sind mittlerweile im Duden erlaubt, im Leben aber nicht! Da könnt ich die Decke rauf! Nur weil alle meinen könnten, dass das die Werkstatt von Bruce Willis ist, darf man doch nicht einfach hingehen und Striche hinmalen! Wo kommen wir denn da hin? Also heißt es nicht "Hodi's Welt", sondern "Hodis Welt". Und ich komme nicht aus Griechenland. Und ich werde es auch nicht "Die Welt des Hodi" nennen, oder "Die Welt vom Hodi"! Niemals! Mann Mann Mann.

Was reg ich mich auf.
(Darf ohne Fragezeichen daher kommen, weil rhetorisch)

Das laterale Käsebrot

Schon Nietzsche hat's gepfiffen: "Wer sich völlig gegen die Langeweile verschanzt, verschanzt sich auch gegen sich selbst."

Und nur so lässt sich auch erklären, warum man sich immer genötigt sieht, "feiern" zu gehen. Bevor ich hier weiter schreibe ... ich habe das nie verstanden, "feiern gehen". Was ist das? Leute, die feiern gehen, stehen immer rum, halten kühle Getränke warm, versuchen, die Musik schön zu finden und gehen dann ganz traurig nach Hause. Oder besoffen, was ich einfach mal mit traurig gleichsetze. Oder sie gehen gleich ins Hospital, weil für manche "feiern gehen" auch Frustabrieb durch Faustkampf bedeutet. Ist "feiern gehen" also auch ein Paradoxon? Da es mir wurst ist, breche ich diesen Gedankengang hier ab.

Jedenfalls gehen alle feiern. Oder "aus". Oder ein. Oder kaputt. Oder hin oder weg. Was auch immer. Sie tun jedenfalls was. Was sie da eigentlich tun, ist Ihnen nicht bewusst, denn das Tun als solches dient dem Zweck, allerhand nicht zu bemerken. (siehe "ich hab mich total verfahren!", oder "was mach ich hier eigentlich?") Und wenn man so richtig feiert, merkt man oft gar nichts mehr, was sich wunderbar damit beweisen lässt, dass am nächsten Tag Kopfschmerzen vorherrschen. Denn: der Geist sitzt im Kopf und nicht wie oft vermutet im Keller oder in der Flasche. Und eben der wird gern beschäftigt und wird ansonsten mürrisch und bollert mit dem Besen unter die Schädeldecke. Es liegt also nicht am alkoholbedingten Wassermangel, wie uns weisgemacht werden soll. Das Monster von Frankenstein beispielsweise hatte eine sehr flache Schädeldecke, was aufzeigt, dass hier kein Geist zugegen war. Er ging zwar auch nie feiern, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Um unseren Geist nicht zu verärgern, gilt es also, ihn dann und wann bei Laune zu halten. Sonst entfleucht er durch's Ohr und kümmt niemals wieder. Das passiert oft, wie sich wunderbar aufzeigen lässt an: Interviews mit Fussballern, Leuten, die gern "alles was so im Radio läuft" hören, oder denen, die Hobbits gut finden. Mal testen und nachfragen: AHA! Niemals Migräne gehabt.

Das sich beständig haltende Urteil, der Geist sei mit Wissen zu füllen, indem aktiv beispielsweise die längst vergessene Kunst des Lesens ausgeübt wird, ist totaler Käse. Es wird von denen propagiert, die uns noch nie etwas Gutes zuteil werden ließen: von Lehrern und Eltern. Nebenbei: beides sind ehrbare Institutionen, scheitern aber am Menschsein. Zudem wird das Lesen oft erschwert, wenn man keinen Fernseher mit 100 Hz Technik hat. Es flimmert und ist nicht gut für die Augen. Es ist also noch nicht zu spät. Wir können noch alles erreichen!

Wie kommen wir ihm also bei, unserem Geist? Und wie schaffen wir die oft zurecht gepriesene Einheit von Geist und Physis? Wie immer macht es der Buddhist vor: er tut nichts, das aber schon sehr früh am Morgen, wo andere sich noch ihren geistreichen Büro-Job aus dem Kopf zu träumen versuchen.

Wir müssen also nichts tun. Nun, "nichts" kann man nicht tun, man tut immer was. Das Atmen sollte beibehalten werden. Das Liegen oder Sitzen ebenfalls. Ansonsten können wir alles beiseite schieben. Und schon stehen wir vor einem Problem der Definition: "Ich mach heute nix" bedeutet im Allgemeinen, dass wir mit ödem Blick "Die 10 beliebtesten Fingernägel zum Kauen" im Fernsehen verfolgen, unsere Genitalien befummeln oder am Telefon sitzen und Leute abtelefonieren, damit wir doch noch was finden, was wir tun können. Oder alles gleichzeitig.
Warum tun wir das? Um den Geist zu beschäftigen. So denken wir zumindest. Aber der hat womöglich den Besenstiel schon in der Hand. Ergo: Wir dürfen all das NICHT tun!

Und: wir leben in einer Welt, die es nicht erlaubt, nichts zu tun. Wir sind so fortschrittlich, weil Menschen beim Nichtstun kluge Dinge eingefallen sind. Und kaum war "Heureka!" ausgerufen, glotzten alle hin und sahen einen, der emsig aufschrieb, was ihm grad eingefallen war. Ok, es war Archimedes, der nackt herumlief, aber wir wollen mal nicht so sein. Also folgerte das Volk: Wer emsig ist, ist gut. Deshalb erzählen noch heute alle, was sie für einen stressigen Arbeitstag hatten, auch wenn das mal gar nicht stimmen sollte. Und schon wurde das Grundlegende übersehen: Allem voran stand das Nichtstun, und nicht das, was dann kam. Womit Gott final zum Hornochsen erklärt werden kann, denn er ist Schuld, dass erst am Sonntag Ruhe ist; und wir sehen ja, was wir nun davon haben. Das Archimedische Prinzip wurde laut Überlieferung in der Badewanne ersonnen und eben nicht auf einem ergonomisch geformten Stuhl in einem klimatisierten Büro.
Wollen wir also jemals auf dem Mars landen, müssen wir dringend und ausdauernd nichts tun. Der Geist, der irgendwann in zunächst jedem von uns einzog, ist weise, aber flüchtig. Muss er auf Bürostühlen sitzen, wird er bockig und redet kein Wort mehr (siehe auch: Arbeitsamt).

Soviel zu den Vorüberlegungen. Solltet Ihr dies hier nicht mehr lesen oder seid ihr nur hier, weil an dieser Stelle ein neuer Absatz beginnt, dann ist es zu spät. Geht feiern, es werden keine Kopfschmerzen folgen. Die anderen folgen bitte.

Ich übte mich heute wieder im Daliegen. Ein vorangegangenes Gespräch mit einer Freundin endete in Ermangelung von Lösungen und so gab man sich der Stille hin. Und wenn Ihr das jetzt komisch findet – sich der Stille hingeben – dann geht feiern, es kann Euch nichts passieren. Doch ich schweife ab. Jedenfalls stieg ich in mein Boot und dachte nichts. Ich dümpelte dahin und sah trotz offener Augen nichts Konkretes. Übrigens: Die Leute, die trotz offener Augen nichts sehen, trifft man in Innenstädten. DAS ist NICHT der anzustrebende Zustand! Obwohl er dem Loslassen des Selbst schon sehr nahe kommt. Doch ich schweife schon wieder ab. Und genau das ist der Punkt: abschweifen. Das Ruder loszulassen ist eine viel größere Leistung als eines zu schnitzen, denn Schnitzen heißt Schwitzen, und schwitzen soll man in dieser Welt. Wie komm ich nur immer auf so großartige Sachen?
Jedenfalls befand ich mich spürbar im Zustand des Gleichgewichts. Sogar der schlimme Harndrang verschwand plötzlich. Und ich traf allerhand Leute wieder, streifte kurz die menschenverachtende Welt der Anne Geddes, weil ich auf dem Sofa einer Mutter saß, die Babyfüße an der Wand hatte und dachte über Kinder nach. Und darüber, ob ich Kinder möchte und mit wem. Und kam des Reimes wegen auf Rinder und dachte drüber nach, von wem ich gern ein Rind gebraten bekäme. Und so war ich bei Viehtransporten und alsbald bei dem kürzlich gelesenen Buch, in dem erörtert wurde, dass es logisch gesehen keinerlei Rechtfertigung für das Verspeisen von Tieren gibt. Und so ging es weiter. Vom Mond bis zum Käsebrot. Laterales Denken.

Ich erwachte vom Rülpsen meines Geistes. Zufrieden und satt hing er in seinem Sessel in der Mensa des Hippocampus. Ich dachte zwar an Nilpferde und wusste nicht warum, aber ich war gelassen. Für irgendwas würde es schon gut sein. Und ich war tief zufrieden und entspannt. Und es waren fast zwei Stunden vergangen.

Und wer fragt, was denn nun das Ergebnis des ganzen Nichtstuns ist, dem kann ich eines mit Sicherheit sagen: Eventuell gar nichts. Aber manchmal kommt ein Gedanke auf und wird vom Geist fortan fleißig begossen. Und vielleicht sieht man dann irgendwen von uns nackt durch die Straße rennen und "Heureka" rufen (heute würde Archimedes vielleicht "ALTER!" rufen). Und dann können wir vielleicht auf den Mars. Oder ins Kino.


Literaturempfehlung:
Lars Svendsen, "Kleine Philosophie der Langeweile", Insel Verlag

Gedanken zur Nacht, Pt. 2

Ich schlendert' einst am Gartenzaun
Und heddert' mir den Hosensaum.
Es riss mich hin, verschissner Mist,
und platschte, weil's grad herbstlich ist.

Die Kunstfälscher kommen, Pt. 3

Nu isses weg. Keine Ahnung, wo es hin ging.

Vollmondig

Montag, November 17, 2008 by hodi aka raketenmann 0 Mal Senf dazu
Sie ist eine der gutesten und wichtigsten Personen der Welt für mich. Und sie hat einen Plan: sie will nicht mehr so raumgreifend sein.
Ihr Wille und ihr Humor sind unerschütterlich und verlangen tiefen Respekt. Und so richtig nachvollziehen können das wohl nur die, die täglich ernsthaft in tiefem Gram versinken, weil sie dick sind. Sie kann zu Recht über die meisten derer lachen und tut dies ausgiebig über sich selbst. Wer sie dafür nicht ehrt, gehört totem Rind rektal eingeführt!

Ihren Weg zur körperlichen Entschlackung teilt sie nun mit uns. Für mich ist das nur witzig, für andere vielleicht hilfreich.

Ich lobpreise Dich, liebe K.!

Wir finden sie hier:

Werbung, oder: Ich bekenne

Einst in meiner Studienzeit, es war so im dritten oder vierten Semester, wachte ich tief in der Nacht auf. Ein Nachtmahr hockte auf meiner Brust, fönte mir den Kopf heiß und sah mich mit seinen roten Augen funkelnd aus der Dunkelheit an. Er kicherte heiser, furzte kurz und hob an, wie folgt bedrohlich zu flüstern:
"Werrrrbung. ..... a ..... a ... aa aaa hahahahahaaaaa".

Die Frau zu meiner Linken schlief tief und fest. Sie murmelte kurz, knautschte sich tiefer ins Kissen und sank wieder tiefer in ihre Träume. Es war stockdunkel, nur die glühenden Augen des Wesens illuminierten das Kopfende des Bettes.

"Hm. Hhmmff. Was? Werbung? ... Wieso? Was ..." nuschelte ich schlaftrunken und versuchte vergeblich, meine Arme zu bewegen. Ich war gelähmt. Und er hockte auf meiner Brust und funkelte.
"Dddddu weißt es." klang es kehlig aus Richtung des Glühens.
"Was? Ich weiß WAS? Ich hab doch nichts ... ich ..." Ich wurde lauter, die Panik stieg an.
Ein Grollen und Donnern schwoll an, der Zwerg fing an zu zittern und zu beben und da platzte seine hässliche Fratze aus dem Dunkel hervor und brüllte mich an: "DU HAST DICH MIT DEM TEUFEL VERBÜNDEEEEEET! Du RATTEEEEE!"
Schrecksteif lag ich da, als sich sein Kopf ebenso schnell ins Dunkel zurückzog wie er heranstob. Nach einigen Sekunden sah ich zur immer noch friedlich schlummernden Gattin herüber und fragte kaum hörbar: "Aber wieso? W ... Was ... was ist mit ihr? Sie ... sie tut doch niemandem was und auch sonst ..."
"NICHT SIIIIEEEE! DU NARR! DIE WERBUNG!" brüllte es wieder und stinkender Seibel hieb mir das schweißnasse Gesicht wie Peitschen.

Dann Stille. Plötzlich.

Am nächsten Morgen butterte ich mir nachdenklich und seltsam verängstigt meinen Toast. Also es war nicht Morgen, eigentlich war es Mittag, ich war ja Student. Irgendetwas beunruhigte mich und trat ausdauernd vor das morsche Tor meiner Seele. Ich schaltete den Fernseher ein und versuchte, mich auf das Familienduell mit Werner Schulze-Erdel zu konzentrieren. "Oberhemden!" rief ich mit dem Publikum. Ich rief es laut heraus, um die innere Unruhe mundtot zu kriegen. Und ich lachte und applaudierte. Wie beiläufig horchte ich kurz nach, ob es am Tor noch pochte, doch im Hirnstamm schien alles still zu sein und so stopfte ich mir schnell und übertrieben vergnügt meinen Toast in den Mund. Haha, Oberhemden! Toll! Da hätte er aber drauf kommen können!

Und plötzlich brach es los. Die Hirnrinde kräuselte sich, der Magen wand sich und nach einem tiefen Rülpsen, das ich nicht halten konnte, schoss ein Schwall Kotze weit über den Wohnzimmertisch hinaus und klatschte aufs Laminat. Die letzen Reste Magensaft plätscherten auf den Tisch. Und ich ahnte: das war nicht die durchaus korrekte Kritik am Fernsehprogramm, das war etwas ganz anderes! Doch was? Himmel hilf! Ich zitterte, schwitzte, der Kreislauf bekam Ecken. Und wieder erbrach ich, um irgendetwas loszuwerden, was mich tief im Innern malträtierte. Doch es kam nichts mehr raus, es kam einfach nicht heraus! Oh Gott (in der Angst ruft man sogar sowas), was ist das? Und ich sah plötzlich Bilder ... ein Funkeln, rote Rückleuchten, nein es war sowas wie Augen, und ich hatte dieses Gefühl des Erstickens kürzlich gefühlt! Und da sah ich ihn vor mir, am hellichten Tage! DEN NACHTMAHR!
Das Bild war instabil, es blitzte auf und verschwand und blitzte auf und verschwand, während ich auf dem Boden kniete und immer noch würgte und nach Luft rang! Augen wie glühende Kohlen starrten aus Thomas Gottschalks verzerrtem Gesicht! Und er brüllte "IHRR WOLLT ALLE GUMMIBÄÄÄREN!!!! IHR ALLE WOLLT LUSTIGE BUNTE GUMMIBÄÄÄÄRENNN! HAAARRR HAAARRR HAAARRRR! UND IHRRR SCHICKT SIE HERRRUMMMM MIT DHL!!! AAHAHAHAHAAA!!! DAMIT ALLE SIE FRESSEN! IHR ALLE FRESST SIE! FRESST SIE AUF! LUSTIGE BUNTE BÄÄÄREN! MUAHAHAHAHA!" Und sein Mund wurde zu einem riesigen Schlund, in dem er ganze Tüten mit der Aufschrift Haribo versenkte. Um seinen Kopf schlängelten sich Lakritzschlangen und ich war wie versteinert.
Ich schrie in Panik auf! Gottschalk wich und andere Bilder huschten mir durchs neuronal völlig überforderte Oberstübchen. Frauen schrien unter Orgasmen, während sie sich das Haar einschäumten! Frösche fingen an, Lieder zu singen! Afrikanische Frauen ernteten voller Freude beste Kaffeebohnen! Autos fuhren blitzeblank durch die menschenleere Natur! Alle lachen! Sie alle lachen! Ein Heer prügelnder Alkoholiker rettete süße Orang-Utans und den ganzen restlichen Regenwald! Schöne Menschen fuhren auf Booten durch die Südsee und warfen mit Raffaelos nach Negern in rumpeligen Fischerbooten! Die stiegen plötzlich aus, hatten Pelze an und rappten um Koffer mit Eiskrem!

Und dann wurde ich bewusstlos.

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Am Abend kam die Frau nach Hause und rüttelte mich erschrocken wach. Sie hatte Tränen in den Augen und arg Angst um mich. "Was ist passiert? Was ist passiert? Sag doch was!"
Langsam konnte ich wieder klar sehen und das Sprachzentrum kam ebenfalls wieder zu sich. "Mach Dir keine Sorgen", log ich. "Es ist alles ok. Nur der Kopf tut mir ein bisschen weh. Und mir ist übel." Ich sah die langsam trocknende Kotze überall und es stank erbärmlich.
"Was ist denn passiert?", wiederholte sie sich und hielt mich fest, während sie sich umsah.
"Ich habe Dinge erkannt", weinte ich plötzlich los, "schreckliche Dinge." Und um sie nicht unnötig mehr in Sorge zu versetzen, schob ich schnell die Erklärung nach, so gut ich eben konnte:
"Ich habe mich dem Bösen verschworen, weil ich immer dachte, dass ich für Naturwissenschaften zu dumm bin". Mein Blick schweifte dabei über die tonnenschwere Literatursammlung über Wirbellose, auf die jede Bücherei stolz gewesen wäre und deren Inhalt ich rückwärts aufsagen konnte. "Ich ... ich dachte, dass ich nichts anderes kann, weißt Du, und jetzt ist es zu spät. Ich werde dafür verantwortlich sein, dass Bäume gefällt werden, um unheilige Werbeblättchen, Flugblätter, die man jetzt Flyer nennt, Plakate und Einleger und all das herzustellen. Ich werde dafür verantwortlich sein, dass Drogen so ansprechend bunt verpackt sind, dass auch Kinder sie haben wollen. Ich werde verantwortlich dafür sein, dass arme Menschen glauben, dass sie Flachbildfernseher brauchen, und dafür, dass Möbelhersteller nur noch Schrankwände bauen, in die auch nur noch Flachbildfernseher passen. Ich werde Schuld tragen, wenn unschuldige Kinder verblöden, weil sie keinen Scout-Tornister haben und deshalb Angst haben zur Schule zu gehen." Meine Seele wog schwer, doch es tat gut, alles herauszulassen. Und sie ließ mich reden.
"Ich bin schuldig, wenn Leute sich Kredite für Audis besorgen, anstatt bei ihrem Fiat zu


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bleiben. Und ich werde es sein, wegen dem Filme im Fernsehen durch Reklame unterbrochen werden, die sich tief ins Hirn gräbt und dafür sorgt, dass wir es verpassen, wenn der Film weitergeht, weil wir vor dem eiswürfelproduzierenden Luxus-Kühlschrank stehen und Exquisa auf unser Golden Toast schmieren und Cola und Fanta mitbringen und danach Milka fressen und dann furzen und rülpsen und stinken und noch mehr wollen! Oh Gott! Ich bin SCHULDIG! Schuldig, dass wir nichts geben, sondern haben wollen, weil wir Angst davor haben, nichts zu haben! Schuldig! Weil Jugendliche ihre Eltern ins Sozialamt telefonieren, weil der SMS-Guru ihnen versprach, all ihre Fragen zu beantworten! (Ok, das ist neu). Und ich bin Schuld an der

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Gewalt, die in den Köpfen keimt, weil überall Telefone nicht mehr klingeln, sondern singen und jodeln und blödeln! Schuldig am klingelnden tönenden, hirnzerfressenden Lärm, der nur aufhört, wenn wir uns in Stressless-Sessel setzen, Teekanne-Tee trinken und uns in die Welt der Saturn-Angebote dieser Woche wegträumen! In eine Welt voller Megaperls und -pixel, Gigasets und Filmen aus dem Hyperraum! UND DIE MÜSSEN LAUT SEIN! UND SIE KOMMEN AUS DER 7.1. ANLAGE FÜR 2500 EURO! DAMIT WIR DEN LÄRM NICHT HÖÖÖREEEN! KANNST DU DAS VERSTEHEN???????! Was haben wir nur getan, bevor wir den DVD-Player gekauft haben? Ich weiß es nicht mehr! Und nun haben wir jeden Samstag 200 Euro für Filme rausgeballert, von denen wir selten einen mehrmals sahen! DA HAST DU ES!"

"Aber warum sollst Du an all dem Elend Schuld sein?", fragte sie mich und hatte es noch nicht verstanden.
"Weil ich dieses Studium aufnahm! Und jetzt ist es zu spät! Ich kann es nicht hinwerfen! Ich studiere DESIGN! Design heißt übersetzt Entwurf! Und es ist der Entwurf des Untergangs der Welt! In der Sahelzone werden sie sich um unsere alten Helly Hansen Jacken prügeln! Mit Steffie-Graf-Tennisschlägern! Schon bald! Und ich muss da mitmachen, weil wir sonst nicht leben können! Ich werde dort hingehen müssen, wo der Teufel wohnt! In eine AGENTUR! Dorthin, wo die Niedertracht regiert! Ich werde dort mit denen arbeiten, die bereits assimiliert sind! Sie bekommen Hungerlöhne und Peitschenhiebe! Solange, bis sie denken, dass sie eine Familie sind, so nennen sie das! Eine inzestdurchwirkte Zombie-Bande, die um 23 Uhr Feierabend macht und dann noch easy zusammen was trinken geht, damit sie überhaupt schlafen und das alles gut finden können! AAAAHHHH"

Jetzt weinte auch

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sie. Und wir hielten uns lange im Arm.
Aber weil die Seele einen Notschalter hat, der bei zuviel Pein einfach eine Ohnmacht auslöst, versprachen wir uns, nie wieder davon zu sprechen und den Weg aller zu gehen: Nicht denken, lieb sein, Videos gucken. Doch Werner Schulze-Erdel sah ich nie wieder.



Manches hier war erfunden, vieles jedoch nicht. Ich bedaure den Verlust zweier Dinge, unter anderem den des Mutes, das Studium abzubrechen. Und so bin ich heute 31 und frage mich noch, ob es wirklich zu spät ist. Ich könnte Menschen pflegen. Oder Tiere. Oder Gärten. Ich würde dabei ebenso wenig verdienen, aber es hätte einen Sinn. Zumindest würde ich kein Unrecht tun.
Und so will ich fortan tun, was mir bleibt: so gut es geht versuchen, keinen Großkunden zu betreuen und allen jungen Menschen Folgendes mitgeben:

Design ist schön, keine Frage. Aber das sind Würfelquallen auch. Nicht anfassen! Weit weg bleiben!

Dance Fail!

Ich danke den Menschen des Fail-Blog für einen heute dringend nötigen Lacher nebst Tränenfluss und Hustenreiz.

Und da DIE es fanden und nicht ich, linke ich mal direkt dorthin und nicht zum Youtube-Video. Und da ich es auch ohne www.existenznachweis.de nie gefunden hätte, danke ich dem Butt in der gebotenen Art und Weise. 

http://failblog.org/2008/11/13/dance-fail/

Top 13!

Wie jeden Morgen schaute ich heute vor Arbeitsanbruch das tägliche Weltgeschehen durch. Mit panikdichtem Weltuntergangsanzug und Kamillen-Tee bewährt. Übrigens, wenn ich mal grade abschweifen darf: Kamillen-Tee ist ein gar köstliches Getränk und nicht nur schnöder Badewasserzusatz bei Analabszessen. Man tut ihm Unrecht. Er wirkt außen wie innen wunderbar und ist nicht für den Arsch. Doch zurück zum Eigentlichen.

Nach Spiegel-Online gehts zum Abkühlen immer zur Bildzeitung. Abkühlen deshalb, weil man sich locker drei, vier Brote schmieren kann, bis die Startseite geladen ist, da Bild sich immer prima Werbepartner sucht, deren Stuss das Laden der Seite prima zu verhindern weiß. Ich stoppte heute drei Minuten. Bis die Menuleiste kam.

Doch einmal angekommen, wurde ich der 100 besten Sänger der Welt gewahr, die der Rolling Stone sich offenbar leicht angetrunken so zusammengegrübelt hat. Zunächst: die "besten" Sänger sind wohl hier nicht gemeint. Ferner: Welche Kriterien haben da wohl gegolten, wenn ich dort Bob Marley finde? Doch wieder nur geraucht bei der Konferenz? Und, entschuldigt bitte, ihr habt sicher doll Peile vom Business, aber welcher Fliesenleger hat denn da Bob Dylan, Mick Jagger, Bono, Neil Young und KURT COBAIN unter die "besten" Sänger gemogelt? Ich will streng objektiv sein, aber eine Liste, die Kurt Cobains Gesangstalent mit dem von Whitney Houston (liebe Bild, man schreibt es so wie hier gezeigt) vergleicht, ist nicht drogenfrei erstellt worden. Übrigens ähnlich wie der Kommentar darunter, der Jon Bon Jovi fordert. Mit Axl Rose gehts munter weiter bis ich neben der ernsthaft tollen Annie Lennox tatsächlich Morrissey finde und keine Lust mehr habe, mir den Unfug reinzutun. Ich tu's aber doch und blättere weiter. Steven Tyler. Jetzt is aber Schluss hier!
Der am könnenste Sänger, der lockigste Sänger, die busigste Sängerin oder was auch immer. Alles ok. Aber die 100 "besten" Sänger? Egal.

Und so fühlte ich mich selbst gefordert, eine Liste zu erstellen. Meine Top 13, ebenso völlig frei von Objektivität, Historie und Sinn wie Verstand. Aber eben meine Liste, womit sie auch schon genug Daseinsberechtigung hat. Wobei: ich mag noch viele andere, wirklich, aber diese hier sind was ganz Besonderes!

1. Elvis, der Sänger-Sänger
Wir wollen mal alle nicht so tun – ohne Elvis und RTL 2 dürfte auch heute noch kein Sexappeal auf öffentlichen Bühnen stattfinden. Ich bin ein Mann, ja, aber nicht homophob! Der Mann ist vorn, bleibt vorn und kam damit leider nicht klar. Und Himmel, er konnte singen wie Nachbars Nachtigall. Nur tiefer halt.


2. Paul Stanley, der gelippenstiftigste Sänger
Ich lernte Paul kennen, als ich 7 war. Einen der schlimmsten Songs, die Kiss jemals geschrieben haben, der Disco-Knüller "I was made for loving you", war mein Einstieg in die Rock n Roll Welt. Selbst heute, wo ich differenzierter höre und mir Texte mit Inhalt wünsche, kommt eigentlich nichts an Paul Stanley heran. Selbst die völlig belanglose Scheiße, die Kiss später machten und noch machen, kriegt diese Stimme nicht kaputt.


3. Maynard James Keenan, der grübelpoetigste Sänger
Tool sind immer eine Reise wert. Einer Rockband, nach deren Musik Teenies in Discos autistisch rumhüpfen, messe ich erstmal keinen Wert bei. Aber Tool sind anders. Der Gesang ist nicht nur exzellent ausgeführt, ich bin auch noch innerlich ganz durchgerührt. Ich fand mal an irgendeiner Stelle im Netz ein Dokument, in dem sich ein geistig bevorteilter Fan mit den Texten einiger Tool-Platten auseinandersetzte und staunte nicht schlecht über den Inhalt beider Parteien. Zudem hat Maynard auch mit A Perfect Circle ne Nummer laufen, die in ganz anderen Sphären spielt als der übliche Ranz. Wer je "Orestes" gehört hat und mir immernoch widerspricht, dem sollen Hoden am Ohr wachsen.


4. Chris Cornell, der gescheitertste Sänger
Boach, was eine Platte! Badmotorfinger von Soundgarden! Wo Manowar einst auf einem Hügel mit Schwertern und Fell-Schlüpfern standen, befindet sich heute der Krater, den Soundgarden mit "Jesus Christ Pose" im Vorbeifliegen zurechtgebombt haben. Leck mich am Arsch! Es folgte keine Platte mehr, die so schlimm gut war. Das macht aber nix, wenn man eh außer Konkurrenz läuft. Cornells erstes Solo-Album enhielt zwar leider keinerlei Soundgarden mehr, aber diese Stimme darf sich alles erlauben. Dachte ich. Denn dann kamen Audioslave mit ihrer belanglosen Blödelklamotte. Das olle Gitarrengefiepse von Morello teilte sich die Bühne mit Cornells Gesang und der Karren war im Dreck. Wer kommt auch auf solche Ideen? Seitdem macht auch Cornell nur noch Mist. Wieder ein Held weg.


5. Peter Gabriel, der menschenrechtlichste Sänger
Zum "Mann des Friedens" gewählt, saß er schonmal mit Kofi Annan beim Kuchen und ist auch sonst recht umtriebig. Eben solche Dinge vermeiden, dass wir einen Nachfolger von der mittlerweile uralten "Up" zu hören bekommen. Doch wir wollen die Belange des Weltfriedens mal vorn anstellen. Ich sah ihn in 2004 Dortmund und will seither Kinder von ihm.


6. Alison Sudol, die schnuckeligste Sängerin
Eigentlich keine große Nummer, die Alison. Radiomusik. Aber hihihihihi, ich bin immer ganz hin und weg, wenn ich sie höre. Und dieses Video zu "Almost Lover" ... man will sie einfach in den Arm nehmen und ihr all das glauben, obwohl sie noch so klein ist. Wirklich.


7. Annie Lennox, die ohne-Worte-Sängerin
Ich hasse Hobbits! Ich hasse Hobbits! Und ich finde, dass man das nicht genügend oft sagen kann. Und als ich darbte und würgte, als der Film um die drei homosexuellen Krüppelzwerge mit dem Gesichtsausdruck des Leidens Jesu, der mich an die unsägliche Serie "Unsere kleine Farm" erinnerte, was in mir Wogen des Ekels und der Niedertracht aufwühlte, endlich vorbei war ... erklang Annie Lennox. Und sie hat alles wieder gut gemacht. Ich kannte sie vorher, keine Frage, aber hier sang sie mich zum ersten Mal sanft. Und ich war wieder bei mir. Dass sie dafür einen Oskar bekam, ist vollends gerechtfertigt.


8. Beth Gibbons, die suizidalisierenste Sängerin
Nachdem ich sie erst recht enttäuschend fand, läuft die neue Portishead-Scheibe bei mir regelrecht rund. Und auch Beth mag ich immer in den Arm nehmen, so wie Alison, aber ich glaube, dass Beth nach Kippen und Alkohol riecht. Ich weiß auch nicht warum. Man riecht so, wenn man sowas so singt. Man ist nicht gut drauf. Man kann nicht mehr. Mein Anspieltip ist "Hunter", von der aktuellen Third, weil bislang nichts so echt nach der Angst und Verwirrung klingt, die Hoffnung listig vorweg schickt. Finster zwar. Aber es klingt dennoch äußerst schönmundig.


9. Jello Biafra, der punkrettenste Sänger
Chickenshit conformist like your parents! Wer Punker so beschimpft, weiß, wovon er spricht. Ich muss es ihm einfach glauben, weil ich Punk ansonsten sehr blöd finde. Mit den Dead Kennedys ist es ähnlich wie mit Kiss ... ich lernte sie kenne, bevor ich 10 wurde. Und ich liebe sie noch heute. Ein Sozialkritiker meiner ersten Stunden und ganz gewiss ein schlimmer Verschwörungstheoretiker. Aber auch einer, der ordentlich singt! Also ... im Rahmen des Punk. Da gibts ja sonst nur Bad Religion-Imitate oder diesen Tote-Hosen-Rock-Quark. Oder kompletten Schrott, der sich grade deshalb gut findet. Selbst The Exploited machten irgendwann Metal, als sie spielen lernten. Ich hab keinen Dunst, wovon ich schreibe? Natürlich nicht!


10. Kirk Windstein, der dicktraurigste Sänger
Crowbar heißt Brechstange und klingt genauso. Es geht die Geschichte um, dass der Frontmann von Paradise Lost mal durch die Bühnenbretter fiel, nachdem Crowbar als Vorband das Parkett schlappgestampft haben. Ob es stimmt, weiß ich nicht, aber man glaubt es, wenn man Crowbar hört. Man will eigentlich immer gleich weinen, wenn man Kirk singen hört. So ein dicker großer Mann mit Glatze, dem eigentlich der Darm platzen müsste, wenn er seinen Gesang von ganz unten hochwürgt. Aber dennoch ist er so schaurig traurig und man glaubt auch ihm alles, was er jammert. Also ich zumindest. Wer so aussieht hat wenig Spaß. "Existence is punishment"!


11. Björk, die eigenstimmlichste Sängerin
Ja, hm ... komische Musik irgendwie. Und ne ganz komische Frau. Ich nehm zudem viel zu wenig Halluzinogene ein, um ihre Videos zu begreifen. Aber sie singt doch sehr toll. Also nicht gut, aber toll. Ich weiß nicht mehr, wie der Film hieß, in dem ich sie mal sah (bin für Aufklärung dankbar). Sie spielte dort eine Frau, die erhängt werden sollte. Und sie spielte die Angst dermaßen gut, dass ich mich fast bekotzt hätte. Und das ist kein Scheiß jetzt.


12. Dani Filth, der ohrensausendste Sänger
Man kann über Cradle of Filth sagen was man will. Sie waren einfach mal gut. Und das nicht nur, weil der Sänger so großartig wie kleinwüchsig ist. Mit Cradles erster Platte hat Dani den ganzen Black Metal Fuzzis kurzerhand gezeigt, wie es wirklich klingt, wenn der Tod fröstelnd aus dem Grabe fährt. Und dass nicht alle anderen Panda-Rocker sofort die Koffer gepackt haben, um wieder Poolboy oder Blumenhändler zu sein, zeugt von ihrem Selbstbewusstsein. Aber Dani übte ja noch. Auf "Dusk ... and her embrace" konnte ers dann wirklich besser als er selbst und es war erschütternd schön. Ich durfte erleben, wie er seinen Gesangsstil knapp über zwei Stunden live durchzog, ohne zwischendurch Kalk zu knabbern und war beeindruckt. Meine Ohren nicht so. Ein Ausnahmetalent. Und ich würde das gern mal nem HNO-Arzt vorstellen, der mir dann erklärt, wie man sowas aus Stimmbändern rausbekommt. Leider bin ich nicht mehr so ein BlackMetal-Freund und die folgenden Alben gewannen auch mehr und mehr an Bedeutungslosigkeit.


13. Tom Araya, der rettendste Sänger
Wie kann eine Band wie Slayer über gefühlte 9000 Jahre auf dem Gipfel der harten Musik stehen bleiben? Und wie kommen sie überhaupt da hin? Die Songs sind ein schrecklicher Einheitsbrei aus Lärm und ideenfreien Gitarren-Riffs. Der Trommler (oder die Trommler) muss eigentlich immer nur untenrum Gas machen, weshalb Dave Lombardo einer der am schlimmsten überschätzten Menschen des Kosmos ist, und die Soli klingen ALLE, als würde man eine verstimmte Gitarre kilometerlange Kellertreppen runterwerfen. Ihnen kommt zugute, dass sie sich selbst nicht sehr ernst nehmen. Aber ansonsten ... völliger Unfug, diese Musik. Wie hält man sich also oben? Der Tom macht's. Er kann es einfach. Er singt nicht, er schreit nicht, er brüllt auch nicht. Es ist irgendwas dazwischen und jedem anderen würde man vorwerfen, dass es nix Halbes und nic Ganzes ist. Aber Tom kann das. Und es klingt gut. Und deshalb kann man sich Slayer ne Stunde lang anhören. Aber dann ist echt gut.


So, jetzt ist mal echt gut.