Faustrecht am Beckenrand

Man sagt, ich sei schnell genervt. Das stimmt gar nicht. Es gibt allerdings Dinge, die mich wirklich sehr schnell nerven und mich nicht mehr loslassen. Man nennt sie Mitmenschen und es gibt immer mehr davon; vor allem in der geistigen Unterschicht.

Die Buchstaben an den Scheiben des Düsseldorfer Aqua-Zoos sind groß. Sie besagen zudem auch am hundersten Aquarium oder Terrarium stets das selbe: "Bitte nicht an die Scheiben klopfen". Durch das o von "klopfen" lugt ein Tintenfisch heraus und steckt sich verzweifelt alle zehn Arme in die Ohren.
Auf der anderen Seite der Scheibe steht ein dicker großer Mann mit Schnauzbart und interessiertem Blick. Er klopft und klopft und zeigt allen Kindern, wie man es macht. Neben ihm, wie könnte es anders sein, stehe ich. Ich fühle mich gezwungen, einen Dialog zu eröffnen.
"Sagen Sie mal ... wo ist da jetzt genau der Sinn, wenn Sie da an die Scheibe bollern wie wirr?"
Er blickt auf mich runter: "Wat willst DU denn von mir? Dat geht Dich dochn Scheißdreck an, was ich hier mache!"
Ich finde seine Sprache ganz sympathisch und gebe sanft zurück, dass da nicht umsonst was auf der Scheibe stehe, obwohl vielleicht nicht jeder lesen könne, und der Fisch als solcher sich eher gestört fühle und banane wird vom Gepoche. Er könne auch keine Tür öffnen, wenn es klopfe.
"Wo her wills DU denn wissen, wat die Viecher da stört, wa?!"
Ich hob die Faust und deutete damit ein Türklopfen an seiner Stirn an, während ich lächelnd fragte, ob es ihn vielleicht störe, wenn ich ihm mal ein bisschen an die Hirse klopfe.
Er fand das gar nicht so lustig wie ich und bat mich stehenden Fußes vor die Tür, um das mit dem Klopfen noch mal genauer zu erörtern. Ich schlug sein Angebot aber freundlich aus und ließ ihn stehen.

Ein paar Sekunden später hatte er auch schon Ärger mit seiner Frau, die sein Aggressionspotential rügte.
Wunderbar.

Vorstellungsgespräch

Guten Abend,

mein Name ist Frau Krümel, die Zweite, und ich möchte mich hier einmal vorstellen. Weil, ich wohne jetzt hier und mag gern Käse. Ich bin bald schon acht Wochen alt, bin aber immer noch ganz schmusig drauf. Das Nubuk-Leder Sofa habe ich schon ruiniert, über meine nächsten Abenteuer werde ich hier berichten. Aber jetz erstmal ne Aufziehmilch!

Bis dahin,
Eure Krümel

Mett macht blind.

Ich stand so rum, während der Hase Schinken und Wurst studierte. Einkaufen ist furchtbar langweilig. Käse ist dort, Butter ist da. Fertig. Aber Frauen lesen Regale wie Bücher. Und sie entdecken scheinbar immer Neues und Aufregendes. Ich guck so lang die Leute an. Die sind aber oft ebenfalls komplett öde. So auch an diesem Tag.
Also schlich ich mich ein Stückchen weiter und begutachtete die Auslage in der Süßwaren-Kühltheke. Wunderbare Eissorten. Fruchtig, schokoladig, ich geriet ins Träumen.
Die junge Frau, die mir schon vorher wegen ihres brüllend dümmlichen Gesichtsausdrucks aufgefallen war, trat neben mich und ließ meine Träume zerplatzen. Sie quasselte aufgeregt auf mich ein, ja, sie war komplett aus dem Häuschen, während sie mir ein Blättchen mit den Sonderangeboten der Woche hinhielt, auf dass es auch mir zur Freude gereiche. Ich stand stumm da, sah sie an und fragte mich, wie ein Pfund Mett so aufregend für eine junge Frau sein kann, dass sie es sogar mit Fremden Männern kaufen würde.
Sie babbelte und ich sah sie immer noch an. Leise, um sie nicht zu erschrecken, sagte ich: "Ich bin's gar nicht."

Für den Bruchteil einer Sekunde schien ihr Leben an ihr vorbeizuhuschen, ihre Augen sprengten den dick bemalten Rahmen und sie fing an, wie wirr zu kreischen. Ich nahm es nicht persönlich. Dann rannte sie los. Zu ihrem Typ, für den sie mich wohl gehalten hatte. "Lass uns weg hier! Komm! Bitte! Ich muss hier weg!" Dann lief sie weg. Ich lachte ihr nach. Er auch.

Warnung!

Ich mag Horrorfilme. Mein unangefochtener Lieblingsstreifen dieses Genres ist natürlich der Ring. Also nicht der mit den Schwuchtelhobbits, sondern der mit dem Brunnen. Ich kann das ab. Ok, im Kino warf ich vor Schreck die unverschämt teuren M&Ms durch die Luft, aber nach kurzer Zeit ist's ja wieder gut.
Es reicht mir nicht, wenn Mutanten Passanten essen, nein, ich will auch das volle Psychobrett. Spannung, Verzweiflung, Aussichtlosigkeit. Also im Prinzip genau wie im Büro, nur, dass man abschalten kann.

Und so freute ich mich auf "paranormal activity", obwohl ich sanft gewarnt wurde. Daijiro trieb es auf die Spitze: "Mach's Licht aus und Dreh den Ton auf!" Dabei grinste er höhnisch und rieb sich die Hände.
Oft fragt mich die Gattin fassungslos, warum ich denn bei diesem oder jenem Film so ruhig dasitzen kann. Diesmal fragte sie nicht. Nach der ersten halben Stunde, quasi nach dem Aufwärmen, hörte sie den Film nur noch. Sie hatte sich die Decke über den Kopf gezogen und atmete hektisch. Aber auch mir war nicht mehr nach Kekse essen und ich erklomm mehrfach die Deckenlampe. Zu fortgeschrittener Stunde musste ich sogar kurz pausieren. In dieser Nacht schliefen wir nicht viel und kein Licht im Flur konnte uns beruhigen.

Zum Film selbst ... Nun ja ... Paranormale Phänomene eben. Wie man das kennt. Ob es wirklich alles so geschah, wie der Abspann uns erzählen wollte, weiß ich nicht. Ich will's auch nicht wissen. Um den total Mutigen unter Euch nix an Spaß zu nehmen, sag ich nix weiter.

Eigentlich wollte ich nur eines sagen: Überlegt Euch zweimal, ob ihr den Film sehen, bzw. erleben wollt. Und wenn, nehmt Euch am nächsten morgen nix vor. Und guckt nicht allein!!!

Schwarz-Weiß kost nix. Aber nur in mono.

Ich muss es einfach hier posten:


"Freitag, den 19.02.2010 09:01
Verbraucherzentrale warnt vor GEZ-Betrügern

Ein skurriler GEZ-Betrüger treibt derzeit in Sachsen-Anhalt sein Unwesen, so die Verbraucherzentrale des Landes. Seine Masche: GEZ-Mahnschreiben mit einer dreistelligen Zahlungsaufforderung und der Drohung, ein vorhandenes Farbfernsehgerät werde durch ein Schwarz-Weiß-Modell ersetzt.


Quelle: onlinekosten.de

Gruppenzwang

Es ist schon ne ganze Weile her, dass ich virtuelle Existenzen bei StudiVZ oder MySpace pflegte. Ich glaube, irgendwann ist man aus dem Alter raus, in dem man gegruschelt werden will oder sich einloggen möchte, um ein "na? wie geht's dir?" zu lesen. Man erkennt auch relativ zügig, dass all die Freunde, die man plötzlich hat, im realen Leben die gleichen Arschlecker bleiben, denen man nichtmal an der Tankstelle begegnen will. Man fragt sich "wozu?" und löscht den Mist.

Doch die so genannten "Gruppen" bei diversen VZ-Seiten sind der Knüller. Das kriegt so kein Texter hin. Was einst mit der Idee begann, Gleichgesinnten ein Mini-Forum zu bieten, uferte völlig aus. Heute sammelt der VZ-Begeisterte lustige Gruppen, um seinen Humor auf neue Art und Weise darzustellen.
Und, Scheiße, da sind wirkliche Perlen drunter.

Ich sammelte kürzlich meine Favoriten. Auf der Seite lustige-gruppen.de sind sie alle topaktuell gelistet. Eine Wertung vorzunehmen, fällt mir schwer, weshalb ich sie einfach mal unkorrigiert und unsortiert hier rein knalle:





Ich würde gerne ein freiwilliges asoziales Jahr machen!

aha, und du verhütest also mit deinem gesicht?!

Entschuldigen Sie bitte, mir kam gerade etwas Kotze hoch

Automatische Türen lassen mich denken ich wäre ein Jedi

Ich brech bei Menschen immer aus Versehen die Körperteile ab.

Deine Mudder modelt für die Bärchenwurst!

Wenn mein Kind behindert wird nenn' ich es Vista!

Auf Kindern wie dir bin ich früher zur Schule geritten.

Okay, keine Emowitze mehr. Ist geritzt.

Currywurst Pommes doppelt Majo und ne Cola-Light für die Figur

Dein Stammbaum is'n Kreis!!

Stell dir vor du bist bei Saw und verstehst das Spiel nicht.

Mein Humor ist so schwarz, der pflückt gleich Baumwolle.

Tauben haben nur einen Gedanken... GEWALT

Maaaan, Mutti - nicht vor der Gang!!!

Fettflecke werden wie neu, wenn man sie mit Butter einreibt !

Bei 3 ist das Gemüse von meinem Grill, sonst raste ich aus!!!

Liebes Tagebuch, heute habe ich angefangen meinen Kopf zu essen.

Anatidaephobie: Die Angst von einer Ente beobachtet zu werden

Deine Mutter macht mehr 3er als BMW

ab wieviel bildung muss man eigentlich pasta statt nudeln sagen?

wenn ich nachdenke, läuft in meinem Kopf die Jeopardy-Melodie

Ich bin gegen Honig aus Massentierhaltung






Ich muss doch werten. Hier meine ultimative TOP 4!


An Fasching geh ich als Sensenmann durchs Krankenhaus

deine mutter fährt dreirad bei saw

In meinem Zimmer siehts schon wieder aus wie in C:\WINDOWS

Ich hab Jesus gefunden - er war die ganze Zeit hinter der Couch

Schildkröte ist da.

Ok, dieser Mensch gehört nicht zum engen Kreis unserer Sippe, doch ich verbringe nahezu jeden Tag mit ihm. Schildkröte sitzt im Büro hinter mir und er ist manchen Tages der einzige Lichtblick in einer dummen dummen Welt. Er heißt Schildkröte, weil er erstens wie eine agiert und zweitens immer genau so lustig drauf ist. Ich hoff, ich habe das rübergebracht.
Er ist, wie soll man's sagen, das uneheliche Kind von Lemmy und Campino. Damit könne er gut leben.

So entschied ich mich heute für eine etwas längere Pause und stellte mit lediglich vier Stunden einen neuen Rekord auf.

Glückwunsch, Glückwunsch, Glückwunsch!

Ich bin nicht sehr beflissen, was Filme betrifft. Manchmal merk ich mir aber doch was. Als ich zum ersten Mal einen Ausschnitt von Inglourious Basterds sah, wusste ich sofort: "Aha! Da ist ja Roy Black! Hier der deutsche Schauspieler da ... wie heißter gleich ... was macht den so einer in nem Tarantino-Knüller?" 1996 sah ich ihn wohl zuletzt bewusst. Warum mir der Roy Black Film hängen blieb, kann ich mir nicht erklären.

Meine Fresse. Mittlerweile hab ich Inglourious Basterds einmal im Kino und dreimal zuhause gesehen. Ich betonte bereits, dass ich keine Ahnung von Filmen hab. Und vom Handwerk des Schauspielens erst recht nicht. Aber ich könnt den Streifen täglich gucken. Weil mir der Waltz die Schuhe auszieht.

Hans Landa ist für mich jetzt schon eine Ikone wie Darth Vader oder Don Corleone.

Wenn das keinen Oscar gegeben hätte!
Herzlichen Glückwunsch an Christoph Waltz! Aber aus tiefstem Herzen!

Geistfäule ist so angenehm.

Es war Silvester, als Frau Dackelkotze den Tränen nah war, weil sie immer noch nicht in die Gemäldeliste aufgenommen war. Meiner Schuld bewusst, fing ich alsbald an, nachdem man mir neue Fotos kredenzte.

Ich schäme mich. Seit hier eine XBox steht, find ich es so angenehm, komplett zu verblöden und alle Talente in den Keller zu räumen. Deshalb, allerliebste T., hier schonmal ein Vorgeschmack auf das aktuelle Gekrakel. Als Beweis dafür, dass ich dran bin. Ehrlich. Es kann sich nur um Tage handeln. Wie viele, weiß kein Mensch.

Küsschen!


Foltern im Neanderthal. Eine Empfehlung.

Wer mit Mitmenschen zu agieren gezwungen ist, ja gar Arbeitskollegen, Abteilungsleiter zu seinem Umfeld zählt, hin und wieder das Auto über eine Straße oder Autobahn bewegen muss oder Tür an Tür mit Nachbarn wohnt, dem wird oft ein Gedanke gekommen sein: Warum befindet sich nur die Kirche, aber nicht der Rest der Welt im Mittelalter?

Wo ist sie hin, die gute alte Folter?
Wenn die Kollegin aus dem tiefsten Sauerland mal wieder ihre Kuhfladenscheiße mit entsprechender Grammatik von sich gibt, die Nachbarn ramentern und derlei mehr, fallen einem die wundervollen Dinge von damals ein und man gerät ins phantasieren ...
heißes Blei in die Ohren gießen, in einer Holztonne eingenagelt werden, in der man sich zuscheißt, bis einen die Maden wegknabbern, in einem Raum voller Asche stehen, in die man garantiert fällt und drin erstickt, sobald der Schlaf einen übermannt ... hach ... die nächstenliebenden Vorgänger vom Papa Benedikt hatten immer was zu tun, wenn grad keine frischen Arschbacken zu befummeln waren.

Gott hat aber Abhilfe geschaffen und den Kopfhörer erdacht. Und Tabletten. Und Yoga. Und Amokläufe. "Heute mach ich keinen Sport, heute lauf ich Amok" las ich kürzlich auf einem Aufkleber. Eine Alternative zur Selbstkasteiung.

Wer sich dennoch mal wieder dem Tagtraum hingeben will und vielleicht nicht genügend Phantasie aufbringen kann oder sich einfach inspirieren lassen möchte, dem sei die Ausstellung "Galgen, Rad und Scheiterhaufen. Einblicke in Orte des Grauens." ans Herz gelegt. "Scheiterhaufen" ist übrigens ein wunderbares Synonym für Mitmenschen, fällt mir grade auf. Ich schweife ab.

Die Ausstellung, die sich dem Thema Folter widmet, ist vom 20. Februar bis zum 27. Juni im Neanderthal Museum zu Mettman zu begucken. Garantiert nicht von der Kirche gesponsert. Im Internet unter www.neandethal.de gibt es einen dürftigen Vorgeschmack. Ich werde mich demnächst dorthin bewegen – ein Wink an meine mitlesenden Freundchen.