Hello Wien!

"Ich muss mich nicht verkleiden. Ich gehe jeden Tag als Gotteskind", sagte mir einmal ein Mitschüler aus der Grundschule. Nun, ich verkleidete mich auch nie, da ich jeden Tag als Entnervter gehe, doch in diesem Jahr wollte ich doch mal ran. Meinen ersten Versuch zeigt das Bild, mein zweiter, etwas fortgeschrittenerer (ein prima Wort für Onkel Säc!) soll folgen, wenn die Fotos eintrudeln. Immerhin gewann ich mit dem zweiten Anlauf den ersten Platz: einen 25-Euro-Essensgutschein. War aber auch nicht schwer, da nur ein gewisser Leprakranker wirkliche Konkurrenz darstellte.

Tina Dico, Konzerthaus Dortmund

Wenn ich nicht von einem Design-Kurs der FH Dortmund gehört hätte, für den ein Besuch des Dico-Auftritts obligatorisch sei, hätte ich auch dieses Event verpasst. Grad noch mal Glück gehabt!

Im vergangenen Jahr sah ich Tina Dico im "Bahnhof" in Bochum-Langendreer und war schwer beeindruckt. Mit Dennis Ahlgren und Helgi Jonsson im Koffer gab's ordentlich Alarm auf der Bühne. Zudem ist die Location sehr übersichtlich und intim, und ich saß zudem noch so nah an der Bühne, dass ich ihr die Schuhe hätte wienern können. Dass diese Intimität im Konzerthaus Dortmund ein wenig flöten geht, war abzusehen – Parkett und Empore fassen 1500 Leute. Ich stand mal selbst bei vollem Haus auf der Bühne und war beeindruckt. Ähnlich wie Fräulein Dico heute, die wohl hierzulande immer noch eher die kleine Schiene fährt. Das Trio wurde erweitert durch eine am Schlagzeug und Gesang, deren Name ich nicht verstand.

Das Dortmunder Publikum war ebenfalls ein etwas anderes als das im "schmuddeligen" Bahnhof. Man geht halt ins Konzerthaus. Da pupst man nicht. Ich wurde gar von einem Ordner darauf hingewiesen, dass ich meinen Fuß nicht auf der Halterung der Bestuhlung ablegen dürfe. Von der Aufnahme von Getränken brauchen wir nicht reden. Dennoch ist auch das verstockte Elite-Kultur-Publikum nicht fähig, ne halbe Stunde still zu sitzen und muss dauernd pinkeln, was immer ne gesamte Stuhlreihe zur La Ola zwingt.

Das Vorprogramm bestritt wie üblich Helgi Jonsson solitär. Ich würde für den Typ alleine das Geld hinlegen. Was ein Clown. Sein gewöhnungsbedürftiges Gesangs-Intro (eigentlich eher Geplärr-Intro) irritierte seinerzeit die Bochumer. Die Dortmunder fingen an zu lachen und manch einer fragte nach der versteckten Kamera. Jaja ... Kulturfreunde unter sich. Müssen immer alles erklärt kriegen, bevor sie es akzeptieren. Jonsson ficht das wohl nicht und er gab nach wie vor den Englisch-Sprachigen, bis er ohne Überleitung in feinsten Wiener Schmäh verfiel und kurz darauf erklärte, dass er in Österreich studiert habe. Das ist auch noch lustig, wenn man es schon mal gesehen hat. Als sein Set nach ner knappen halben Stunde endete, war die Meute auf seiner Seite. Ein unglaublicher Musiker fernab jeglichen Anflugs von Star-Allüren und eigentlich völlig unscheinbar. Zwischendurch immer wieder blöde Scherze, die einem vorführen, wie herrlich wenig er sich ernst nimmt. Der Ton macht die Musik, die mich hin und wieder an Sigur Ros erinnert, wobei Jonsson für die dichte Atmosphäre keinerlei Effekte benötigt. Klavier, Posaune, Gitarre und eine Stimme wie der Wind in Skandinavien!

Tatsächlich braucht ein schwergewichtiges Publikum nach ner halben Stunde Musik erstmal eine Pause. Bis alle raus sind, ihr gepflegtes Elite-Bier für 10 Euro verklappt haben und wieder ihre Plätze finden, geht schon mal ne gute halbe Stunde um. Und das dafür, dass nichtmal umgebaut werden musste.

Die erste Hälfte des regulären Sets von Dico war ich etwas angespannt, weil das Publikum doch recht verhalten unterwegs war. Beifall muss sein. Aber dann ist auch gut. Ich erinnere mich wieder an ein anderes Konzert, bei dem mitgesungen wurde. Die Atmosphäre schlug aber irgendwann um und zur zweiten Zugabe standen restlos alle. In der Tat war es beeindruckend, alle auf den Füßen zu erleben, während Tina "Magic" spielte. Sehr kontrastreich zu dem sehr intimen Song.

Apropos "intim" ... zu oft sollte man sich das Gebotene nicht geben. Die zartbesaitete Dame ist eine gute Schauspielerin, die ihre aufrichtigen Songs gut vertritt. Man glaubt ihr, wenn sie ein paar Sekunden in sich geht, nachdem sie Sachen wie "Room with a View" spielte und von verflossenen Liebsten sang, bevor sie sich wieder ums Publikum kümmert. Allerdings ist genau das das Problem: man weiß, dass sie natürlich nicht immer so empfindet. Und ein bisschen belogen werden will man ja auch für sein Geld.

Die Setlist passte sich grob an die neue Platte an. Ein paar ältere Hits und ein paar neue Songs, die vielleicht mal auf die Favoriten-Listen kommen. Live ist das ne gute Sache. Das Album nehm ich ihr allerdings übel. Ein Doppel-Album mit leicht umgestrickten Altsongs damit zu verkaufen, dass auch ein paar neue drauf sind ... ich weiß nicht. Die Band war aufeinander eingespielt, aber nicht so klinisch sauber wie Porcupine Tree am Abend zuvor. Ok, ein schlimmer Vergleich. Dicos Band spielt offen und "roh", aber immer präzise. Die Klasse jedes Einzelnen ist über jegliche Zweifel erhaben und wurde nur von der Klasse der Akustik im Konzerthaus übertroffen.

Und wenn's zu düster und gedankenschwer wurde, stand immer Jonsson parat, um mal unpassend aber exakt intoniert ins Mikro zu pröten. Einer wie der kann sich das locker kichernd leisten.

Dennoch fand ich das Konzert im kleinen Kreis gehaltvoller.



Der Jens war indes wieder nicht zugegen.

Porcupine Tree, RuhrCongress Bochum

Zunächst: Ohne Goldis Hinweis wäre uns das Konzert entgangen. Dem Veranstalter ist es gelungen, die Reklame für dieses wirklich nicht uninteressante Event komplett unter den Tisch fallen zu lassen. Glatte sechs. Arschlecken, setzen. Immerhin haben sie es aber geschafft, pünktlich um 19 Uhr die Tür aufzuschließen. Mich würde interessieren, wie viele Karten noch übrig waren, denn am Rand des Saals hätte man während des Konzerts noch super Fahrrad fahren können.

Oceansize sollten die Vorband geben, erfuhr ich vor der Halle. Gespannt war ich durchaus, was nach der 2003er "Effloresce" so passiert ist. Die Scheibe hab ich seinerzeit ungefähr 50 Mal laufen lassen und später immer wieder mal; aber verdammt, sie hat nix, was hängen bleibt und pötert so vor sich hin. Nach all den Jahren muss ja was passiert sein.
Wir konnten es leider nicht hören. Denn wir standen in der ersten Reihe. Diese lautstarke Tatsache, gepaart mit dem seit jeher betonierten Gesetz, dass Vorbands grundsätzlich bekackt gemixt werden müssen, damit der Haupt-Act sich gar nicht mehr mühen muss, besser zu klingen, ergaben eine nagelneue Fönfrisur und keinerlei neue Erkenntnisse. Dass ich mir ihre aktuelle CD am Merchandise-Stand zulege, schied also mangels verwertbarer Hörprobe aus. Ich glaube weiterhin, dass Oceansize die harte Version von Coldplay sind: nette Songs, bei denen immer dann, wenn man den Höhepunkt erwartet, wieder nix kommt. Da man Musik durchaus mit Sex vergleichen kann, versteht wohl jeder, dass man sich irgendwann genervt abwendet. Und so war es uns eine Freude, die Ansage vom letzten Song zu hören. Das einzig Faszinierende an Oceansize war an diesem Abend, dass der Trommler keine Becken, Stöcke oder Felle zerlegte, sondern seinen Hocker. Ich bin sicher, dass ich so etwas nie wieder sehen werde. Ähnlich faszinierend ist obendrein die Professionalität der Leute drumrum. Wenn binnen 5 Sekunden ein neuer Hocker parat steht, der nicht vom Schlagzeug der Hauptband geklaut wird, dann ist das schon beeindruckend. Ich entschied danach, mir doch die CD zu kaufen, weil mir eine Passage kurzfristig gefiel und ich das Ganze mal mit ordentlichem Sound hören wollte.

Es folgten Umbauarbeiten, die ich so nicht kannte. Da Steven Wilson grundsätzlich mit barem Fuß spielt, lag es nahe, aber wer vermutet schon, dass da gleich einer auf die Bühne kommt und Staub saugt? Auf den drei Leinwänden liefen derweil filmische Dokumente früherer Staubsaugungen, was für allgemeine Erheiterung sorgte.

Die ersten Akkorde von Porcupine Tree belegten es: es war doch ein kundiger Tonmann mit seinem Mischpult im Hause. Obwohl ich immer noch vor dem Bass-Fön stand, war der Sound klar wie Kloßbrühe. Nachdem sich aber mehrfach die Augenlider meiner Frau umklappten, entschieden wir uns später für einen Platz weiter hinten – nicht ganz so nah bei den Boxen. Und, leck mich am Arsch, klang das gut! Man fühlt sich weiter hinten auch nicht so genötigt, immerzu begeistert zu gucken.

Schade, dass ich die eigentliche Incident-Tour verpasst hatte. Das Konzept-Album auseinanderzudröseln schien mir nicht praktikabel, aber die Ansicht teilten die Musiker leider nicht, weshalb nur etwa die Hälfte der aktuellen Songs vorgetragen wurde. Gespielt wurde ein verwuselter Mix von Stupid Dream, Deadwing, Fear of a Blank Planet und Incident, wobei es an sich nicht viele Songs waren, wenn man bedenkt, dass ein Stück schon mal 12 Minuten haben konnte. Trains fiel gottlob völlig aus. Ich kann's nicht mehr hören. Und der ziemlich gut gelaunte Wilson wohl auch nicht, denn die Anfrage darauf wurde mit einem "oh, not trains again!" quittert. Mir war's im Prinzip gleich, was sie spielten, solange ich teilhaben durfte. Gavin Harrison muss als Kind in ein Uhrwerk gefallen sein. Anders kann ich mir dieses Trommeln nicht erklären. Man muss das einfach mal gesehen haben. Wahnwitz, der niemals nervt und sich schön unterordnet. Bassmann Colin Edwin ist von ähnlicher Machart ... kommt auf die Bühne mit dem gleichen Lächeln, mit der er sie verlässt und guckt nicht einmal nach links oder rechts. Der spielt den kompliziertesten Kram runter wie ein Drei-Teile-Puzzle und scheint dabei über seinen nächsten Urlaub nachzudenken. Meine Vermutung war hier, dass man ihn einfach aufs Klo nebenan tragen könnte, ohne dass er's wirklich wahrnimmt. Er wäre immer noch 100% dabei und man würde keinen Unterschied wahrnehmen, solange man ihm das Kabel dran lässt.

Kurzum: Porcupine Tree sind immer ne Reise wert. Und sei sie noch so kurz. Ich hab bereits Aufregungs-Urin gelassen, als Wilson neue Songs ankündigte.

Verwundert hat mich indes nur, dass Wilson von Bochum als "beautiful city" sprach. Vielleicht muss ich das seiner heutigen Scherzkeksigkeit zurechnen. Weiß nicht, wo der war.

Wo der Jens war, weiß ich auch nicht. Komisch.

Lautsprecher boxen. EIne kleine Empfehlung.

Derzeit habe ich Glück mit den Fachverkäufern in Elektromärkten. So geriet ich vorgestern bei meiner Lautsprechersuche im Bochumer MediaMarkt an einen kundigen Mann mit feinem Ohr, der mich ungeachtet der vielen anderen Kunden ausgiebig beriet und alles aufbaute und anschloss, wonach mir der Sinn stand.
Nachdem ich mir kürzlich den Canton Chrono Subwoofer zulegte, um mehr Wumms in die Hütte zu kriegen, wurde mir immer klarer, dass die CLATronic-Lautsprecher für seinerzeit bestimmt 20 Mark (haben mir meine Eltern mal vor 20 Jahren gekauft, glaube ich) eigentlich nur als Schuhkartons verwendbar sind. Also war mal ein Update fällig.
Den Hinweis des Verkäufers, dass er sich ja privat für jede Musikrichtung ein anderes Lautsprecherpaar hinstellt, nahm ich lächelnd entgegen, verwarf diese Möglichkeit allerdings für mich und mein Girokonto.
Letztendlich empfahl er mir für meine Wohnzimmergröße und die vorliegende Anlage ein Paar Canton LS 205, die selbst in der offenen Vorführecke noch ein schlumpfiges Klangbild zauberten. Nachdem ich noch diverse andere Würfel testete, entschied ich mich für die 205er. Der Knüller: das Paar für 199 Euro. Bei Amazon übrigens für 399.

Zuhause neue Kabel verlegt, die Dinger angetüddelt und die Ohren aufgestellt. Die Teile sind unglaublich. Diese Erfahrung deckt sich mit denen in einschlägigen Foren. Obwohl noch gar nicht eingespielt (20 Stunden sollte man ihnen gönnen), zeigten mir die recht kleinen Dinger, was eigentlich auf meinen CDs drauf ist. Peter Gabriel, Porcupine Tree, Tool, Opeth, Pink Floyd, Marilyn Manson und Chopin ließ ich kreisen und hätte jeweils die ganze CD durchhören können, weil es so geil klingt. Beachtlich ist neben der Klarheit auch die räumliche Tiefe, die die Dinger entwickeln. Grade Freunde von Gitarren dürften diverse Erektionen beim Lauschen bekommen. Porcupine Trees "Time Flies" oder akkustische Nummern von Opeth stehen derart im Raum, dass man an den Saiten zupfen möchte. Den Subwoofer hab ich direkt mal abgestellt und auch nicht vermisst; für ne ordentliche Zusammenarbeit werde ich da wohl noch ein bisschen Zeit investieren müssen.

Wer also töfte Boxen haben will und nicht viel Geld zur Verfügung hat, sollte mal ein Ohr drauf werfen. 200 Euro für ein Paar in der Klasse sind kompletter Irrsinn.
Wer ältere umsonst haben möchte, kann sie sich bei mir abholen.


Der Johnny, der Cash

Et voila!
Ich bin schon ein bisschen stolz. Das Ding hat mir wirklich alles an Geduld abverlangt.



Wie ich dachte, dass die Russen zurückkommen

Es ist zum Haare raufen. Aber in vielen Momenten findet man einfach keinen, dessen Haar man raufen könnte. Oder es ist verboten. Der Grund, warum ich mittlerweile eine so schüttere Frisur trage, ist, dass immer ich der Dumme bin.

Als Freund hochwertiger Musik und als Mensch mit fies feinem Ohr, trieb es mich hinaus, meiner Anlage mit einem Subwoofer ein wenig mehr Untenrum zu verleihen. Also ging ich in den hiesigen Fachmarkt für derlei Dinge. Fachmarkt beschrieb übrigens in meiner Jugend ein Ladengeschäft mit mindestens einem Fachmann, nicht zu verwechseln mit dem Flachmann. Jeder wusste: ein Fachmann ist ein kundiger Mann vom Fach und nicht einer, der in Regalen hockt und lächelt. Das, wie gesagt, war in meiner Jugend so. Und vorher auch. Heute hat das Wort Fachmarkt eine gänzlich andere Bedeutung. Nämlich die, dass hier mit Waren aus einem Fach oder Regal gehandelt wird. Der Fachmann kriegt längst Hartz4, weil er mehr Lohn verlangt als der Tünnes, der hauptberuflich das Karusell auf der Kirmes bedient. Man erkundigt sich also vor dem Kauf eines Lautsprechers oder einer Kaffeemaschine oder einer Schraube im Internet.

So zog ich los und erwarb einen Tiefbasslautsprecher, der zudem noch formschön war. Der funktionierte auch tadellos. Vier Tage.
Ich dachte schon, die Russen wären wieder über mir eingezogen, weil es dauernd rummste und polterte. Dann, ich hatte schon den Hammer in der Hand, fiel mir auf, dass der Lautsprecher rummste und polterte. Dabei machte er sich die Tücke zunutze, die Subwoofer haben: man weiß nicht, woher das Wummern kommt.

Wieder bemühte ich das Internet. Aha! Stromproblem. Sehr viele Stecker und Kabel in der Nähe. Alles verwurstet. Also ging ich kurzerhand wieder durch die Wand und legte ein solitäres Stromkabel vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer. Ist ja die erste logische Konsequenz. Nach drei Stunden Bohren, vertüddeln, neu verkabeln war ich fertig. In jeder Hinsicht. Ich schloss ihn siegessicher an. Und er rummste noch mehr. Dabei kaufte ich Canton und nicht KIK.
Das Internet riet: Tu weg. Tausch um.

So fuhr ich wieder los. Wiegt ja nix.
Nach langen Erklärungen zeigte man sich kulant und offenbarte mir ein Leihgerät. Dieses könnte ich nutzen, bis mein Bass frisch aus dem Service zurück käme. Komische Sache sei das ja schon. Natürlich, sag ich. Hat ja mit mir zu tun.

Ich fuhr nach Haus und war glücklich. Das hielt so lange, bis ich ihn anschloss. PÖÖÖÖT. Es knallte und rumpelte und bollerte, dass die Terrarien klapperten. Dabei war nichtmal das Verbindungskabel dran. Ich nahm meine Medikamente, kreiste um die Lampe und machte mich stante pede auf, dem Fachmarkt einen dritten Besuch abzustatten. Die Frau an der Info wurde langsam komisch.

Dies könne NICHT am Gerät liegen! "Auf keinen Fall!", raunzte der Fachmann, der sich tatsächlich als Fachmann im alten Sinne entpuppte. Sowas ginge nicht. Zwei mal das gleiche Problem bei zwei Geräten! Nicht das Gerät, sondern ICH hätte das Problem. Ja, mein STROMNETZ wäre für die Tonne. Er war etwas erregt, aber ich muss ihm zugute halten, dass etwa dreihundert Menschen um ihn rumwuselten, die alle HDMI-Kabel für ihr Bügeleisen, Verstärker für Rauhfasertapeten und hochauflösende Wurstzipfel haben wollten und es zudem partout immer besser wussten. Drum blieb ich ungewohnt gelassen und riet ihm, nachdem der Tumult vorüber war, doch einmal die Steckdose zu bemühen und sich selbst ein Bild zu machen.

Mit dem Ohr am Klangkörper schaltete er das Gerät schneller ein, als ich ihm von dieser Idee abraten konnte. Ich wollt ja nicht auch noch zu denen gehören, die alles besser wissen. Ein ordentlicher Bumms blies ihn mit viel Atü direkt ins Regal daneben. Er strich sich die Haare glatt, stand wieder auf und gab souverän lächelnd sein Wissen preis: "Das ist das Einschaltsignal, super Gerät, ordentlich Bumms." Bevor ich mein "glaub nicht" sagen konnte, röhrte das Teil wieder los. Ich gebe zu, dass ich ein wenig erleichtert war. Da hatte ich ihn am Arsch! Ha! Er wurde sanft und wand sich ... "noch nie erlebt, gibts doch nicht, unglaublich".
Dieses Gerät hätte er vorher schon hundertfach verhökert und es sie nie was gewesen. Ja, bis ICH kam. Meinen Fernseher brachte ich auch nach drei Tagen zurück. Ich. Ich. Wenn was mit Scheiße ist, dann isses auch mit mir!

Er wand sich noch und grübelte zwecks Kulanz und Entschädigung, da winkte ich schon ab. Hätte nun genug von dem Kack da. Will was anderes. Preislage egal. Nur nicht mehr auf den Sack gehen. Einpacken, raus hier. So nahm ich dann das etwas teurere Gerät, von dem er mir prompt 50 Euro runterrechnete. Das musste er auch, wenn man die Preise im Netz betrachtet. Auf dem Heimweg kam mir der Gedanke, dass es vielleicht von vornherein geplant war, dass ich den teureren nehmen sollte. "Fred, mach die Billigen mal kaputt. Alle! Dann haben die alle die Schnauze voll und kaufen was Teures!"

Nun ist alles gut.

Ich frage mich allerdings: War das schon immer so mit Geräten? Also Toyota mal ausgenommen. Musste man vor dreißig Jahren auch ein Risiko beim Kauf eingehen? Und möglicherweise 5 Mal umtauschen? Die Waschmaschine meiner Mutter war schon vor mir hergestellt und ging kaputt, als ich 30 war. Ein Markengerät. Oder liegt da das Problem? Gibt es gar keine Markengeräte mehr, weil eh alles aus China kommt und nur anderes Blech drumrum geklebt wird? Kürzlich erfuhr ich, dass ein Audi baugleich zu einem wesentlich billigeren Auto sei. BAUGLEICH! Nur die Form drumrum sei anders. Und natürlich der Preis. So etwa 15 Tausend Euro. Ist also doch irgendwann alles Kik? Oder bin ich doch sehr naiv?

The Man in Black, part 2

Au weia. Das wird noch was dauern. Es bot sich an, ein bisschen mehr ins Detail zu gehen, und jetzt hab ich den Salat und muss es zum Ende durchziehen.
Momentan hab ich einfach zu viele Hobbies. Ich hab nämlich ein Puzzle zum Geburtstag bekommen und ... Puzzeln geht mir nicht so an die Nerven wie künstlerische Tätigkeiten. Sehr meditativ. Ich glaube, dass es keine Gewalt auf der Welt gäbe, wenn alle Menschen abends puzzeln. Generell sollte man öfter mal was anderes tun. Da fällt mir ein ... bei TrialsHD hab ich wieder vier neue Platinmedaillen erspielt. Muss ja auch getan werden.


The Man in Black, part 1

Im Internet gibt es ne Menge kreativer Werke zum Thema Cash. Mitunter auch so großartige Werke wie das vom Karikatur-Gott Jason Seiler. Allen gemein ist aber, dass sie den typischen Cash zeigen, der gern auf dicke Hose macht.
Ich will's mal anders tun und den alten Mann zeigen. Immer noch Cash, aber eben ohne dicke Hose. Wer das Video zu Hurt, eines der besten Musikvideos, die ich kenne, mal gesehen hat, dem geht die Komik völlig flöten. Und deshalb will ich mal versuchen, ne Karikatur ohne Lacheffekt hinzubekommen, die immer noch eine Karikatur ist.
Der Anfang ist halbwegs gelungen; mal sehen, ob ich's hinbekomme.

Rether fertig

Nerv. Meine Vorlage hatte Briefmarkengröße und kam entsprechend grob. So musste ich die Hälfte erraten.
Ich nenne es fertig, obwohl mich noch einiges stört. Aber durch wochenlanges Tüddeln wird selten was besser.


Der Abschied vom Artikel

Der Jens verfasste vor einigen Monaten einen Artikel über den sogenannten Balvitiv. Dort, in Balve und Umgebung, findet die Abkehr von der Grammatik statt, die uns einst in Schulen beigebracht wurde. Bedenkt man, dass der dort beschriebene Unfug nur das Sauerland betrifft, beunruhigt es nicht weiter. Wo es nur Kühe und Schützenfeste gibt, kommt man auch mit Stammeln und Lallen noch gut durchs Leben. Wenn ich mir unsere Balver Auszubildende ansehe und -höre, die für mich die Speerspitze kontinentaler Verblödung darstellt, sehe ich ein, dass ein Satz wie "ich dachte schon, warum fährt der im Gebüsch rein" einfach anders nicht kommen darf, weil sonst womöglich niemand aus ihrem Kreis versteht, was sie meint.

Was mir hingegen Sorgen macht, ist die Abkehr von Artikeln – eben jenen kleinen Wörtern, die doch so viel für ihr zugehöriges Nomen tun. Sie geben ihm nicht nur ein Geschlecht, sondern auch Geschmeidigkeit. Ich erkläre es kurz:
DER Hammer, DAS Mädchen, DIE Notdurft. Oder EIN Hammer, EINE Kartoffel.

Warum tun Menschen das?
"Da müssen wir mal Plan machen", sagte meine ehemalige Chefin gern und ohne Anflug eines Schuldbewusstseins. Darüber, dass die Abkürzungen unbestimmter Artikel den meisten Menschen nicht mehr gelingen, rege ich mich längst nicht mehr auf.
"Gib mit mal nen Stück von der Schokolade" zum Beispiel. Ach, wo ich's so lese ... es regt mich doch auf. Begibt man sich ins Internet, wird gern als Entschuldigung angeführt, dass man ja nur schnell tippe. Ich werde diese Rechtfertigung dem nächsten Polizisten entgegenwerfen, wer mich dafür rügt, die Gegenfahrbahn benutzt zu haben. "Bin ja nur mal eben schnell gefahren, Herr Schutzmann."

Vielleicht kommt es daher, dass eben die Abkürzungen komplette Verwirrung stiften. Wenn niemand mehr weiß, was 'ne, 'n oder 'nen bedeuten könnte und auch permanent dafür ins Gesicht geschlagen wird, dass man "ich schmier mir mal nen Wurstbrot" sagt ... vielleicht lässt man es aus Angst gleich ganz bleiben mit den Artikeln. Vielleicht ist auch die Gleichstellung von Männchen und Weibchen die Wurzel des Übels, weil hiernach möglichst jedem Substantiv das Geschlecht entfernt gehört.

Es gibt so einen Ausspruch, den selbst ich schon gehört habe ... irgendwas mit "nur weil Du Gynnasium bist". Das ist so doof wie tragisch, denn scheinbar schämt sich auch die Klientel der höheren Schulen nicht dafür, unglaublichen Satzmüll abzuwerfen. Einzig die Kritik an Ausländern, die mal richtig Deutsch lernen sollen, kommt immerhin grammatikalisch korrekt.

Kürzlich war ich zugegen, wie die "Elite Deutschlands", wie einer meiner Lehrer immer stammelte, frei zu sprechen versuchte.
"Den hab ich seit Geburt", heiß es da. Und ferner "Die sind in Euer Alter". Auch "wo wir auf Gymnasium waren" war deutlich zu vernehmen. Und "drei Morgende waren um". Um hier wirklich nicht zu übertreiben, schrieb ich heimlich mit. Und weil ich mitschrieb, konnte ich nicht alles mitbekommen.

Ich beende hier Gedanken. Bringt ja nix. Ich mag Artikel und werde sie weiterhin benutzen. So wie Alten vor uns.