Ab in die Zeitungsfalle

Hat sich doch gelohnt, die kleine Malerei. Montag, 8. August, Rundschau Seite 2.


Ab in die Schuldenfalle

Eigentlich wollte ich keine Nachrichten mehr gucken oder hören. Aber mitunter bekommt man ja doch etwas mit.
Ich war kurzzeitig inspiriert. Mal sehen, ob ich morgen noch Lust drauf hab.

Malstunde

Sonntag, August 07, 2011 by hodi aka raketenmann 1 Mal Senf dazu
Sebastian Krüger kennt eigentlich jeder, ohne es vielleicht zu wissen.


Mikrohabitate

Sonntag, August 07, 2011 by hodi aka raketenmann 0 Mal Senf dazu
Inspiriert von wirklich schönen Terrarien des wirklich schönen Kölner Zoos, legte ich heute Hand und Geld an, um die Heimtieranlage etwas aufzupeppen. Ein bisschen Schweiß und von Brennhaaren juckende Finger und fertig ist die Katz.
Die Terrarien waren schon vorher ganz hübsch, aber eine Rückwand, die sowohl das Glas als auch den Ikea-Schrank verdeckt, schafft schon was. Zudem bin ich gespannt, wie sich das Moos über die nächsten Wochen schlumpft.




Die vielleicht schockendsten zwei Frames meines Lebens

Fast hätte es mir die zarten Nähte aus dem frisch verzurrten Zahnfleisch gerissen, als mich diese vielleicht nur zwei Frames aus dem Kinosessel schossen und ich mich tatsächlich schreiend und mit den Beinen rudernd wieder fallen ließ.

Leute mit Verstopfung sollten sich Insidious mal anschauen.
Gruselfreunde allemal.
Nicht nach Kiefer-Operationen.


Das Ende eines Lebensabschnitts

Es ist 7:25 Uhr an einem diesigen Donnerstag im Juli. Ich sitze auf dem Balkon, trinke Kaffee und rauche meine erste Zigarette. Das ist nicht ganz einfach, da ich furchtbar Schluckauf habe. Zudem muss ich furzen wie blöd, weil ich mehr Luft als Nahrung schlucke, was an den Halsschmerzen liegt, die mir den Genuss etwas vermiesen. Doch es sind die Schmerzen der Glückseligkeit. Ich könnte natürlich auch eine Schmerztablette nehmen. Aber erstens wäre das Feeling dann weg und zweitens würde das nur die Blähungen mehren. Ich bin glücklich.

Vor vielen vielen Wochen begann es. Eigentlich begann es noch viele Jahre früher, vielleicht schon in früher Kindheit, aber das würde die Sache jetzt komplizierter machen und die Dramaturgie wäre hinüber. Jedenfalls kam es, dass ich bei meiner Kollegin im Büro stand und um Schmerzmittel bat, da ich sonst sicher gleich ins Koma fiele. Sie halfen kaum. Ich ging nach Hause und versuchte, den Zahn mittels Schlaf zu beruhigen. Es ging schon wieder. Doch das Wochenende war von dauernden Zahnschmerzen erfüllt, und jeder weiß: Zahnschmerzen können einem echt die Laune vermiesen.
"Geh zu meiner Mutter", sagte der Fussel zu mir. "Die hat selber Angst vorm Zahnarzt und ist total vorsichtig!"
Ich schenkte ihm Glauben und ging.

Auf die Frage, was sie für mich tun könne, berichtete ich, dass ich finale Schmerzen habe und sie auch gleich wüsste warum, wenn sie sich meine Kaugeräte anschauen würde. Zumindest die hinteren. Es sei nämlich über fünf Jahre her, dass ich eine zahnärztliche Praxis aufgesucht hätte. Und das hätte auch so seine Gründe. Sie verstand ohne Rückfrage und kümmerte sich alsbald nur um den schmerzenden Übeltäter. Und erstmal nicht um den Rest, was mich sehr beruhigte. Das "oh oh" und "mhmh" und sorgenvolle "hmmmm", was man beim Zahnarzt so hasst, ließ sie bleiben, womit sie mich gewann.

Nach der geglückten Behandlung bekam ich pro forma sechs (sechs!) neue Termine, um die nötigsten Dinge zu erledigen. Ich war schonmal so weit. Es war in der Tat sechs Jahre her. Alles war tutti, doch meine damalige Dentistin merkte mit einem sorgenvollen Blick an, dass wir nun an die zwei verbleibenden Weisheitszähne ran müssten. Och, die gucken ja schon raus, sagte ich, das könne ja so ne dicke Sache nicht sein im Vergleich zu der Wurzelbehandlung. Die beiden Weisheitszähne oben habe man ja auch pflücken können wie nen Schnorchel aus nem toten Taucher. Sie antwortete, dass das vielleicht doch etwas schwieriger werden könne im Unterkiefer. Und sie vermute ferner, dass der Zahn, den wir nun dreimal wurzelbehandelt hätten, wahrscheinlich eine Wurzelspitzenresektion benötige, damit er Ruhe gäbe. Da ich doof guckte, erklärte sie: man ginge da an der Seite an den Zahn. Zahnfleisch wegklappen, durch den Knochen zur Wurzel, und dann ein Stück davon wegknuspern, damit Platz sei und die Entzündung sich vertschüsse. Ich ging nie wieder da hin.

Und nun saß ich da bei Fussels guter Mutter. Sie hielt die frisch geknipsten Röntgen-Bilder in die Luft und sprach: "Ich glaube, da oben hinten ist eine Zyste an der Wurzelspitze. Kann sein, dass die Ärger macht. Von den Weisheitszähnen brauchen wir ja nicht reden. Die müssen eh raus. Aber das kümmert uns jetzt erstmal nicht.
Und so behandelte sie vor sich hin und da ich mindestens einmal die Woche da war (es wurden dann zehn Termine), fühlte ich mich langsam heimisch auf dem Horror-Hocker. Tatsächlich freute ich mich manchmal nach der Arbeit drauf, mal die Fresse halten zum müssen. Und so kam eins zum anderen und die Schnauze war wie frisch gestrichen. Da sie immerfort röntge wie doof, fand sie zudem leider noch ne Zyste an einem anderen Zahn, den mir mal ein Dorf-Zahnarzt in Iserlohn-Hennen mit scheinbar besoffenem Kopp im Stehen überkront hatte und den Karies darunter vergaß. Und da kam der Moment in meinem Leben, in dem die Mauer fiel:
Ich nahm mir ein Skalpell, ritzte mir den Finger auf, bemalte mein Gesicht mit Blut und rammte mein Schwert tief in den Praxisboden! "Hier soll der Sache Genüge werden!", schrie ich, unsicher ob die Grammatik da so stimmte. Aber es klang gut. "Ich werde hingehen und diesem Frevel ein Ende bereiten! Tod den Phobien! Sie sollen den Weg alles Irdischen gehen und zwar im Spülstein eines Krankenhauses!" Ich lachte hysterisch, setzte mich wieder hin und vereinbarte einen Termin für eine professionelle Zahnreinigung, um mit gestähltem Zahnwerk dem Chirurgen gegenübertreten zu können.

Über Wochen musste der Termin verschoben werden. Ich hatte Schmerzen, obwohl es nicht hätte sein können. Die gute Ärztin suchte und suchte, fand aber nix mehr. "Mach den Zahn da weg! Oder Wurzel raus, mir Wurscht! Aber mach! Ich geh kaputt!" Sie weigerte sich. Da könne ja jeder kommen. Ich solle das aushalten jetzt. Und Elmex nehmen. Und ab ins Krankenhaus. Da würde die Lösung vielleicht gefunden werden.

Also gab ich mir den finalen Ruck tatsächlich, begab mich zum Kiefer- und Gesichtschirurgen (und dachte kurz drüber nach, dass in meinem Gesicht so einiges nicht gefällig ist), der mir direkt nen Termin im Krankenhaus machte, um mich dort zu bearbeiten. Ich entschied mich für die große Rundfahrt, weil ich nicht das zarte Pflänzchen meiner Selbstsicherheit und Angstfreiheit wieder zertrampeln lassen wollte, in dem ich mir Stück für Stück den Horror antäte. Man erklärte mich mehrfach für bekloppt, mir alle vier Quadranten in einem Haps möblieren zu lassen, doch die Meinungen Unbeteiligter sind mir seit Jahr und Tag sehr gleichgültig.

Am Abend vor der Operation rief der Arzt an und sagte ab. Seine völlig beknackten Arzthelferleinchens hatten trotz mehrfachen "war das jetzt wirklich alles?" meinerseits vergessen, mich zum Anästhesie-Gespräch zu ordern. Unerlässlich für eine Narkose, denn wer weiß, wer der Blöde ist, wenn ich nicht mehr aufwache. Das muss ja geklärt sein. Eine Woche später rief man mich wieder an und nannte mir den Termin für eben dieses Gespräch. "Am 25. So ab 14 Uhr". Was denn da passiere, fragte ich. "Ja das ist so wie vor jeder OP." Ich merkte, dass ich wieder die gleiche Punze am Hörer hatte, die mir schon vorher alles versaut hatte. "Entschuldigen Sie meine Unkenntnis als Amateur-Operierter ... WAS ist denn da so vor jeder OP?"
"Na, dieses Gespräch. Da gehen Sie einfach hin."
Ich gab auf und ging einfach hin. Arzthelferinnen sind das A und O. Vor allem das A. Und mache können es einfach nicht und sollten besser Brötchen verkaufen. Die Betäubungs-Professionelle im Krankenhaus war nicht so eine. Sie war derart unfreundlich, dass sie niemals auch nur ein Brötchen verkauft hätte. Für jemanden, der die Hose echt voll hat, ist das relativ unangenehm. Auch hier bekam ich nicht die Infos, die ich gern bekommen hätte. Zum Beispiel die Information über die Kosten der Narkose. Die Krankenkasse weigerte sich nämlich standhaft, mir eben diese zu bezahlen. Ich könnte ja auch alles einzeln mit lokaler Betäubung erledigen lassen. Das würde sicher unterm Strich mehr kosten, aber es müsse kein extra Betäuber anrücken. Auf meine Frage, was das nun koste und wann ich das zu begleichen hätte, bekam ich die Antwort, dass das Dinge seien, die sie als Betäuberin nicht interessieren würden. Sie fuhr weiter fort, mir den Ablauf zu erklären, nachdem ich sie damit sichtlich nervte. "Sie bekommen dann eine Maske auf ... oder haben sie da auch Angst vor?" Ich entschied, das nicht weiter zu erläutern, unterschrieb das Testament und ging.

Am Morgen vor der Operation war ich seltsam gelassen. Ich wusste wohl, dass es eine Spritze gäbe, die mich wegdämmern lassen würde und ich erinnerte mich an die Magenspiegelung vor vielen Jahren, bei der eine ähnliche Spritze wirklich toll war. Es ist, als würde in einer Sekunde die ganze Last des Lebens von einem abfallen. Herrlich. Und so freute ich mich fast drauf. Erst so ne herrliche Spritze, dann aufwachen und nie wieder Scheiße mit den Zähnen. Meine treue Begleiterin musste sich etwas mühen, meinen Enthusiasmus zu teilen. Aber ich wollte mir das nicht nehmen lassen. Als ich mein OP-Kostüm übergeworfen hatte, verlangte ich noch danach, ein paar spaßige Fotos anzufertigen. Komisch: Ich hatte wirklich keinen Schiss. All die Jahre des Schmerzes und der Angst … und nu? Die Schwester kam und legte mir die Drainage in die Hand. Der Zugang zur Glückseligkeit. Und dann ging es los Richtung Operationssaal. "Mooooment!", warf ich ein. "Erstmal will ich hier ausgeschaltet werden, Freunde!" Ich lobte das prima Fahrgefühl in dem Bett, merkte aber wiederholt an, dass ich den Schlachthof nicht sehen wollte. Doch man ignorierte mein Bitten. Schlimmer noch: Man parkte mich vor dem OP, in dem noch die Gedärme der Vorgänger aufgewischt wurden. Jetzt erlaubte ich mir doch einen Moment des Unbehagens. Eine polnische Putzfrau quäkte hinter der Tür, verstummte, lugte auf den Flur und lachte mich an. "Aha! Da liegt ja einer! Und der ist noch wach. Hihi."
Wunderbar. Ich fühlte mich wieder besser. Kleine Späße machen das Lebens schön. Dann ging es allerdings wirklich rein. Allerdings war ich überrascht, dass es hier gar nicht aussah wie im Fernsehen. Gut, da stand ein Bett mit vielen Lampen drum und es war mehr Platz als sonst im Schlafzimmer, aber an sich war es doch mehr ein Behandlungsraum wie jeder andere.
Man bat mich, die Hinrichtungsstätte selbst zu erklimmen. Ich dürfte meine Bettdecke aber mitnehmen, was mich sehr beruhigte. Wie ich noch versuchte, es mir bequem zu machen, fummelte es mir an der Hand und mir wurde sehr blümerant. In der Tat war es nicht ganz so schön wie in der Erinnerung. Ich wurde plötzlich so schwer, dass ich dachte, der Tisch müsse unter mir zusammenbrechen. Und dann drehte sich plötzlich alles. Unschön, dachte ich. Sehr unschön. Dann sah ich aus dem Fenster auf einen Kirchturm. Der Tod kommt.

Eine Frau sagte zu mir, dass ich nun schon dreimal gefragt hätte, sie mir aber kein Wasser geben dürfe.

Dann saß der Arschhase wieder neben mir. "Alles noch dran", sagte sie, als ich mich dabei erwischte, ihren Busen zu mööpen. Sie hätte gefragt, aber die Schwester hätte zum vierten Mal das Wasser verweigert.

Wieder der Kirchturm. Schöne Aussicht.

Jemand schiebt mir einen nassen Schwamm in den Mund. Ich nuckle. Alles blutig.

Kirchturm.

Ich sehe Pappherzen am Fenster und berichte, dass diese eigens für mich dort installiert worden seien. Und warum ich immer noch keinen Kaffee bekäme.

Der Arschhase sitzt neben dem Bett und berichtet, dass die Narkose über die Krankenkasse liefe, weil der Chirurg doch wesentlich mehr tun musste als geplant war. Ich singe "Willy Wonka, Willy Wonka …", strample dabei, weiß nicht warum und schlafe wieder ein.

Wieder der Kirchturm. Halsschmerzen. Ich begreife: es ist schon vorbei. "Wie fühlen sie sich denn?" Ich frage nach Kaffee und Zigaretten. Eine Antwort bleibt aus. An sich ist es sehr kuschelig in diesem Bett. Ich beschließe, noch ein wenig zu bleiben und schlafe wieder ein. Irgendwie weiß ich noch gar nicht so recht, was ich hier mache. Aber es ist ok. Irgendwas war geschehen und es war gut.

Ich wache auf und begreife. So. Nu ist aber gut. Ein wenig mit den Beinen rudern und der Kreislauf ist wieder voll da. Komm, aufstehen, mal nach Hause jetzt. Ich stehe auf und der Kreislauf bleibt liegen. Wieder hinsetzen. Ich habe immer noch das durchsichtige Netz-Unterhöschen an, was ich stolz präsentiere. Ein paar Minuten später finde ich mich in aufrechter Haltung vor einem Schrank wieder, in dem meine Klamotten lagern. Ich stelle mich auf ein Bein, um mich anzukleiden und falle nicht um.

Man bittet mich, noch kurz auf die freundliche Betäuberin zu warten. Im Sitzen bitte. Ich hole mir Kaffee und setze mich. Sie kommt, guckt mich an und fragt nach dem Befinden. Zur Sicherheit frage ich sie, ob ich klar auf sie wirke. Ich selbst vermag das nicht zu sagen.

Wir gehen. Auf dem Weg zur Tür verabschiede ich mich von der netten Schwester und erzähle ihr, wie das alles kommen konnte. Sie verabschiedet sich. "Und immer zum Zahnarzt gehen jetzt!", mahnt sie. Ich verspreche es.

Draußen wackle ich die ersten Schritte bis zum Auto, mit der einen Hand am Hasen und der anderen an meiner wohlverdienten Zigarette, die ich mir in den blutigen Mund stopfe. Das hab ich mir verdient. Langsam wird mir klar, was vorgefallen war. Ich hatte es getan! Himmel Arsch und Zwirn!

Nachdem der Hase mir zum vierten Mal erzählen musste, was der Arzt ihr erzählte, rekapitulierte ich:

Ich, der Oberschisser des Abendlandes … ich! Der sich Jahrzehnte mit Zahnschmerzen und Sorgen über eine faulige Stumpenzukunft herumschlug! Ich hatte mir die Zähne versorgen lassen. Ich hatte sie mir reinigen lassen. Und ich hatte mir den Kieferknochen aufbohren lassen. Und Zwei zähne ziehen lassen, von denen einer doch vorher zertrümmert werden musste. Die steten Zahnschmerzen ohne ersichtlichen Grund hatten ihre Ursache in einem völlig vereiterten Kieferknochen, der nun versorgt und rein wie die Mutter Maria war. Hosianna! All die Sorgen! Weg! VERPENNT! Warum nicht schon viel früher? Wer hätte das gedacht? Ich zog an meiner Zigarette. Und war glücklich.

Erst zuhause begriff ich wirklich, dass ich gar keine Schmerzen hatte. Außer im Hals. Vorsorglich nahm ich eine der empfohlenen Schmerztabletten, aber es war wirklich die erste und letzte. Es ist irre. Erst als ich mit der elektrischen Zahnbürste etwas zu forsch vorging, spürte ich wieder, dass ichs nicht zu bunt treiben sollte in den nächsten Tagen.

Nun sitze ich auf dem Balkon. Die gesparte Vollnarkose kann nun anderweitig ausgegeben werden. Also geht's gleich in die Stadt, um eine neue Waschmaschine zu ergattern. Morgen muss ich nochmal zum Knochenklempner. Ich werde mich kurz über die Macke am Schneidezahn beschweren, die da vorher nicht war. Aber ich werde dankbar sein. Vor allem mir selbst.



Geht zum Zahnarzt! Er ist Euer Freund! Auch, wenn ihr lang nicht wart. Es gibt nix dolleres als Käsekuchen und Steak.
Man könnte meinen, dass die Überschrift etwas übertrieben ist. Ist sie aber nicht.


Ein Zeugnis des Trauens

Man lernt ja nie aus.
Diesmal waren die Lehren zweierlei:

1. Male nie die Braut zu übertrieben! Das kostet Zeit in der Korrekturphase. Auch wenn eine Karikatur gefragt ist: sie betrifft immer nur den Mann. Die Braut muss immer schön sein. Wobei dies ja subjektiv ist. Hätt ich mir denken können. Kostete Zeit.

2. Ich werde besser. Ich fange an zu kleksen anstatt mit Linien und Konturen zu daddeln.

3. Ok, ich hab noch was gelernt, aber ich werd ja auch nicht alles verraten.


Das Ende ist da.

Bin gar nicht dazu gekommen, mich drüber öffentlich zu freuen. Nur Gedöns um die Ohren. Aber:

Er ist mein! Er und die Tankstellen-Flatrate für 0 Euro.

Ok, privat hätt ich ihn nicht gekauft. Er ist nunmal nicht der Inbegriff von hoch sitzen und ähnelt meinem Ziel SUV so gar nicht. Aber er hat finanzielle Vorteile, die nunmal nicht von der Hand zu weisen sind. Gegen meinen alten A3 ist er ein rollendes Wohnzimmer. Man muss sich nur arg zusammenreißen, denn so ein Diesel mit ich glaub 170 PS macht schon gehörig Spaß auf dem Asphalt. Auch wer wie ich kein Autonarr ist, sitzt gern auf Raketen.

So. Die Anschaffung eines privaten Neuwagens kann nun sehr beruhigt auf ferne Zeiten verschoben werden.


Das Ende ist nah!

Ich bin ja ein Schisser. Grundsätzlich. Ich jammere zwar nicht wegen jedem Quark rum, bin aber gern geneigt, mir die ein oder andere sinnlose Sorge zu bereiten. Und eine solche war natürlich das Ende meiner Probezeit in meiner schnuckeligen Bürogemeinschaft.

Eine Kollegin sprach weise: Warum sollen die Dich erst anlernen und Dich preisen, um Dich dann wieder rauszutun? Sie fand das völlig abwegig. Eine andere Kollegin zeigte mir nur schweigend den Vogel ob meiner Befürchtungen. Nun ist es aber so, dass mir mein letzter Arbeitgeber drei Wochen vor Ende der damaligen Probezeit verkündete, dass ich ein gern gesehener Gast sei, es aber für die volle Stelle finanziell nicht reiche. Obwohl ich eh schon eher Hohn als Lohn bekam. Ich nahm das "Angebot" mit betontem Undank an. Wenige Wochen später stellte man mich dann wieder voll ein, aber der Groll und das Unbehagen bleiben auf ewig.

Und so erschien vergangene Woche eine Email auf meinem Bildschirm. Des Inhalts, dass ich zum Gespräch hinter verschlossenen Türen mit dem Chef und seinem Komparsen geladen sei. Da war die Hose trotz all der Honigworte ziemlich voll. Und ich musste auch noch vor der Tür verharren, da drinnen noch geheimnisvolle Dinge besprochen wurden. Ich erinnerte mich daran, wie ich völlig unbewusst mal die tätowierten Arme in den Nacken legte und entspannt mit einem Hochrangigen sprach. DAS würde mir jetzt das Genick brechen! Alles ist aus!

Als die Pforte sich öffnete, empfing mich ein Lächeln. Aber ich bin misstrauisch. So leicht kriegt man mich nicht. Da könnt ja jeder lächeln.

Die nächste halbe Stunde war nicht ganz meinen Erwartungen entsprechend. Ich weiß ja, dass ich ein bisschen was kann. Vor allem, wenn ich es auch will. Und wenn man mir nicht auf die Eier geht. Und ich kann sehr professionell gucken, was immer einen prima Eindruck macht. Ich kam allerdings ne knappe halbe Stunde nicht zu einem Wort. Der Chef ist sehr umtriebig und gestresst und lässt sich nicht gern vom Weg abbringen. Und dieser war: Lobpreiset den Raketenmann! Fast hätt ich gedacht, es fiele gleich Konfetti. Es war fast unangenehm. Nein, es war unangenehm. Ihm sei ja wohl schon längst klar, dass ich noch lange in meinen Stuhl pupsen könne, er habe nur keine Zeit gefunden, mir das zu sagen. Und obendrein übergab er mir (ohne große Rückfragen, fällt mir grad ein) die Leitung meiner kleinen Abteilung inklusive aller Verantwortlichkeiten und schloss den Absatz mit der Gehaltserhöhung, über die wir zwar schon zu Anfang mal sprachen, die aber dennoch sehr hübsch anzusehen war.
So. Ein Firmenwagen sei grade frei geworden. Man müsse da mal gucken und sage mir Anfang nächster Woche bescheid, ob ich das Raketengefährt samt Tankkarte übernehmen könne. So, nu sei aber wieder Eile angesagt. Auf Wiedersehn.

Fabulös.

Den Wagen lieh ich mir direkt mal übers Wochenende, da meiner auf ner Hebebühne schlummerte. Ich erwarte mal nix. Obwohl ich schon ordentlich Deathmetal auf die Festplatte des Autos (!) kopiert habe. Man muss ja Marken hinterlassen.



Da einige ehemalige Kollegen aus der alten Firma immer noch nicht müde werden, hin und wieder nach meinem Befinden zu fragen, setzte ich noch voll der Freude eine Email auf, in der ich vom Stapel ließ, wie schön doch grad alles ist, wenn man mal von den Zahnproblemen absehen täte. Ein paar nette Antworten erhielt ich. Unter anderem aber auch eine vom Chef, der mich höflich aber bestimmt gemahnte, doch bitte keine Mails dieser Couleur mehr zu schicken. Man habe es schwer genug und ich würde seine Mitarbeiter demotivieren (so denn das noch geht). Ich geb ihm fast recht, aber ich scheiß natürlich auch gehörig drauf.

Ab und zu, ganz selten, darf der kleine Vogel auch mal hoch fliegen.

Fahrzeugkauf ist Nervensache.

Es ist zum Weglaufen. Bzw. Wegfahren. Wobei laufen echt billiger ist.

Mein guter alter Audi A3 macht so langsam die Grätsche und es muss ein neuer her. Eingedenk dieser finanziellen Katastrophe, die ich nun final eingeleitet habe, mache ich mich seit gut zwei Monaten kundig, was man fahren könne und was den maximalen Spaß als Gegenwert zum maximalen Geldverlust bietet.
Den möglichen Umzug in eine größere Behausung und den scharf ins Auge gefassten Erwerb eines Cintiq-Grafiktabletts verwarf ich aus Kosten- und Vernunftsgründen. Ich besitze bereits professionelles Mal-Equipment und wohne eigentlich ganz hübsch. Wenn auch etwas dezentral, womit wir wieder beim Auto wären.

Die erste Frage, die ich mir stellte war: Brauchse das oder willse das? Nach langer Abwägung von Bauchgefühl und Vernunft, die gottlob beide mittlerweile ein ganz gutes Miteinander in mir führen, kam ich zu dem Schluss: Ich will das. Weil der Wagen echt langsam teuer wird. Nach seinen 12,13 Jahren wäre er noch 2000 Euro wert. Also grob. Allerdings bröselt mir der Lack langsam ab, weil man mir damals beim Kauf zwar verriet, dass "mal nachlackiert" wurde, aber nicht hinzufügte, dass unter dem Lack eine zentimeterdicke Spachtelschicht befindlich ist, die nun allerorts den Lack aufreissen lässt. Das liegt unschön am Auge und wird mittlerweile jede Woche schlimmer. An dieser Stelle sei gesagt: NIE, niemals, auf gar keinen Umständen ein Gefährt bei einem Straßenhändler kaufen! Bertis Autobude oder KFZ-Willi sind TABU! Der Privatkauf birgt ein Risiko, welches man allerdings eher abschätzen kann, zumal man nicht mit Leuten zu tun hat, die den ganzen Tag bescheißen und es deshalb echt drauf haben. Fickerbande! Meine Empfehlung ist klar das Autohaus. Das ist teuer, meint man. Ist es aber nicht, wenn man lernte, was ich lernte. So wollte mir heute ein Händler vom Autohaus noch 1000 Euro für die Karre geben. Was er noch gar nicht wusste: Mittlerweile zieht das Auto nicht mehr. Ich baller das Gas durchs Bodenblech und er hängt bei 70 km/h. Auf der Autobahnauffahrt! Beim Teutates! Irgendwann gibts dann wieder Gas, aber das entscheidet das Auto ganz allein.

Mir isses mittlerweile wurscht, was ich dafür noch kriege, solange diese Odyssee bald ein Ende findet.

Jedenfalls guckte ich erst grob, dann genauer und bin nun zum Kraftfahrzeug-Kenner-Amateur avanciert.
Hat man die Frage geklärt, ob man ein Auto kaufen will, steht schon die nächste an: Welches?
Faktum: Ich träume seit geraumen Jahren davon, möglichst hoch zu sitzen. Vielleicht, weil ich sonst eher kurz geraten bin; vielleicht aber auch, weil es einfach sehr angenehm ist, nicht aus dem Auto klettern zu müssen. Und vielleicht auch, weil es sehr schön ist, einen gewissen Überblick zu haben. Zieht man nun in Betracht, dass ein motorisierter Förster-Hochsitz weder beim TÜV noch bei schlechtem Wetter gut ankommt, bleibt nach ernsthafter Betrachtung nur eins übrig: EIN SUV.

Sind wir also schonmal weiter. Ich bin kaufbereit. Ich weiß, dass es ein SUV wird.

Die nächste Frage kommt gleich, nachdem man infrage kommende Vehikel mal ausgespäht hat. Das wären der Nissan Quashqai, der Kia Sorento, der Kia Sportage, der Mitsubishi ASX und der Hyundai ix35. Ok, es gibt noch weitere, aber wir wollen mal ernst bleiben. Infrage käme auch der Ford Kuga, aber wer würde ernsthaft einen Ford kaufen? Ich nicht. Die Frage, die sich also stellt: Wer soll das denn bitte bezahlen?

Die einfache Antwort: die Bank. Hihi. Meine Erfahrungen mit Kraftfahrzeugen sind gar nicht gering. Und unterm doppelten Strich lautet die Erkenntnis: Spare und Du wirst teuer dafür bezahlen.
Nun kommt hinzu, dass ich für eine kleine Gehaltserhöhung auserkoren wurde, die mir etwas Luft verschafft und die ich nicht schmerzlich missen werde, wenn ich sie direkt weiterleite, ohne sie je bemerkt zu haben. Lege ich noch ein bisschen Kohle drauf, sind wir im Bereich der Möglichkeiten.

Nach vielen Tagen der intensiven Suche kamen drei Fahrzeuge in die Auswahl: Mitsubishi ASX, Hyundai ix35 und der Kia Sportage, der bislang ganz knapp die beste Figur macht. DIe Probefahrt mit dem ASX bewies, dass dieses Auto ausscheidet. Ich ging vorbereitet an die Sache und der Hase auf dem Beifahrersitz schrieb folgsam mit, was ich ausrief. Wenn ich bei 130 km/h anfangen muss, lauter zu reden, ist das nicht entspannend. Auch das Sound-System hat eine Bedeutung, bin ich doch klangaffin. Musik im Auto ist wichtig, denn nirgends höre ich so viel wie beim Fahren. Beide Mängel schaukeln sich natürlich auf. Bei 160 ist dann der Ofen aus. Gut, so schnell bin ich selten unterwegs, aber es kommt doch vor. Nach weiteren Eindrücken, die diesmal auch das Auto an sich betrafen, lautete das Fazit: Gut.
Bis ich im Sportage saß. Der verbannte den ASX in die allerletzte Reihe. Zugegeben: Ich fuhr einen 2-Liter-Diesel mit 136 PS und Allrad, aber allein das Hinsetzen war schon solch eine Freude, dass ich gar nicht mehr hätte fahren müssen. Dennoch dieselte das Teil von dannen, dass es eine Freude war.
Den Hyundai fahre ich morgen.

Somit war auch die nächste Frage gestellt: Diesel oder Benzin? Der Diesel ballert bei wenig Umdrehungen schon tierisch ab. Maximaler Drehmoment bei 1500 bis 200 Umdrehungen. Damit kommt man vom Fleck. Und zwar ziemlich zügig. Bei höheren Geschwindigkeiten, sprich Umdrehungen, spielt der Benziner auf. Da ich aber nunmal viel Stadt fahre, ist das nahezu egal. Also stellte ich eine Rechnung auf:
Benzin ist teurer, aber Steuern und Versicherung liegen deutlich unter dem Niveau vom Diesel. Diesel ist in der Anschaffung mal eben 2 bis 3 Tausend Euro teurer, beim Tanken allerdings billiger. Da half nur der Taschenrechner. Und so kam ich zu der mehrfach geprüften Erkenntnis, dass ich bei meiner Fahrleistung von 10 bis 13000 Kilometern im Jahr einen (!) Euro teurer unterwegs bin, wenn ich diesle. Den Euro könnense gern haben für den Spaß.

Wer allerdings meint, nun müsse man nur noch den Wagen nach Kosten, Farbe, Motorisierung, Ausstattung und Bauchgefühl aussuchen und alsbald kaufen, der irrt gewaltig. Es sind nämlich keine Sportage oder Hyundais zu haben. Wäre ja auch noch schöner. Wartezeiten von 4 bis 12 Monaten sollte man einplanen. Und das, ohne einen Hinweis darauf, ob der Wagen nun nächste Woche eintrifft oder noch 8 Monate auf sich warten lässt. Und eines war mir gleich klar: DAS mach ich nicht mit, ohne wirklich auf lange Zeit sehr schlechte Laune zu bekommen. Und die hab ich wahrlich jetzt schon nach dem ganzen Firlefanz.

Übrig bleibt, alle (und ich meine alle) betreffenden Autohäuser abzutelefonieren, das Internet zu bemühen und täglich von Hinz zu Kunz zu fahren, auf der Suche nach dem passenden Gefährt. Die Gefahr dabei ist: Hat man endlich eins gefunden, ist man so dankbar, dass man's am liebsten gleich kaufen würde, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Seit zwei Wochen ist meine gesamte Freizeit ausgefüllt mit Autohäusern und derlei. Zwischendurch entspanne ich natürlich noch regelmäßig beim Zahnarzt, was echt ne Wohltat ist.

Einen sehr netten Händler fand ich bereits. Und er hat zwei der begehrten und seltenen Fahrzeuge. Und sie sind entsprechend teuer, weil sie doch etwas mehr Extras haben als eingeplant. Oder ihnen fehlt etwas, was ich haben möchte, was durch andere Dinge, die ich nicht haben möchte, ausgeglichen wird. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wozu ich eine Sitzheizung auf der Rückbank brauche. Der Traumwagen ist allerdings schon gefunden. Leider ist er in einem (zugegebenermaßen wirklich nicht einfach zu beschreibenden aber doch netten) ORANGE gehalten. Ich weiß nicht, wie lange das gefällt. Die Umfolierung in schwarz-matt würde noch mal 1300 Euro draufsetzen. Und die Scheiben sind dann auch noch nicht schwarz. Die Umfolierung hätte natürlich den Vorteil, dass der Lack auch nach 10 Jahren noch quasi neu wäre, wenn man die Folie abnimmt. Wer meint, eine Folie sähe komisch aus, dem sei mal ein Auge auf Streifenwagen oder Feuerwehrfahrzeuge empfohlen. Selbst ich habe folierte Autos schon auf nen halben Meter für lackiert gehalten. Fragen, Zweifel, Unmut ...

Ein gewisses Quäntchen Glück bescherte uns auf der Rückfahrt von einer erneut erfolglosen Suche ein Hyundai-Händler. Der machte nämlich Überstunden und hatte die Tür noch offen. Offene Türen soll man einrennen. Und so kam ich doch noch zu der Probefahrt mit dem ix35. Zwar morgen erst, aber immerhin hat er dann auch schon allerhand Fahrzeuge für mich rausgesucht, die auch auf Lager sind. Ich bete zum KFZ-Gott, dass ich morgen aus dem Häuschen bin und er was passendes im Angebot hat. Ansonsten bringe ich einfach alle um.

Falls wer auf die Idee kommt, ich könnte doch mal gucken, ob ich wen kenne, der jemanden kennt. Ja, kenne ich zuhauf. Keine Chance.

Ich wünsche mir ne gute Nacht.