Begegnungen, Pt. 2

Gefunden irgendwo im Netz.

Liebe

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Ich bin hoch erfreut. Danke, liebe Mitmenschen. Was im wahren Leben nie passiert, wird hier offenkundig: Irgendwer will wissen, was ich erzähl. Wahnsinn!

Das Leben der anderen

Bei 50000 (das sind vier Nullen) habe er aufgehört zu zählen, sagt er. Daher sei es auch nur eine Schätzung. Nach den Gründen gefragt, führt er seine Mama an: Sie war immer arbeiten und ließ ihn als Kind allein. Und was tut ein Kind mit 13 Jahren so ganz allein zuhaus? Es blättert in Versandhaus-Katalogen, völlig richtig. Anstatt sich aber kostenlos mit den Fotos der Unterwäschemodelle zu vergnügen, sind es die Stereo-Anlagen und Bügelautomaten, die sein Interesse wecken. Und so tut er irgendwann das Unausweichliche: er füllt einen Bestellcoupon aus. Das sei so einfach gewesen, sagt er. Dass der Haken die Bezahlung ist, sagt er, war ihm klar. Doch es heißt ja: "erst die Ware, dann das Geld!"
Die Rechnungen und Mahnungen habe er vor Mama versteckt, sagt er. Auch die Männer vom Inkasso-Unternehmen, die er im Wandschrank versteckt haben musste, wurden irgendwann teuer, vermute ich. Denn die wollen ja was essen und machen sonst Krach. Und alles würde auffliegen. Das das nicht ewig so weitergehen könne, wurde ihm irgendwann bewusst, sagt er.

Schnitt in die Gegenwart. Ein gestandener Mann mit einer wirklich nicht vom Schicksal, nur vom Akzent benachteiligten Frau und blitzgescheiten Kindern. Mein erster Gedanke: HALT! Was ist passiert, als er bei Mama ausgezogen ist? Hat er einen Nachsendeantrag gestellt? Und was wurde aus den Männern im Schrank? Und wieso nahm er die Schulden mit, die er als Kind doch gar nicht anhäufen konnte? Wir erfahren es nicht.

Was wir jedoch erfahren ist: Wer Rechnungen bekommt, kann sie einfach ignorieren. Mahnungen und Bescheide – alles Altpapier. Wer lang genug ignoriert, wird in Ruhe gelassen. Wahrscheinlich kommen gar keine Männer. Der Gipfel des Schuldenberges entschwindet in den Wolken, wo er uns egal sein kann. Aber so richtig gute Laune kommt nicht mehr auf. Irgendwie hat man immer das Gefühl, der Berg würde wachsen.

Also bestellt man Peter Zwegat. Und der bläst trotz seiner etwas tatterigen Erscheinung die Wolken hinweg, bis man staunend vor einem Bergmassiv steht, das kurz davor ist, am Mond zu kratzen. Einhunderttausend Euro sind gefragt. So geht Disco! Und das Volk sitzt vor teilfinanzierten Flachbildschirmen und freut sich, weil der eigene Schuldenberg nun nicht mehr so hoch scheint. Puh. Da geht noch was.

In dem maroden Einfamilienhaus gucken Leute plötzlich sehr sparsam. Man ist erschüttert. Die Kinder essen schon Tapetenreste und geheizt wird nur bei Minusgraden. Wie kann es dann also sein, dass immer noch so viel Minus übrig bleibt? Trotz Kindergeld! Wir lernen: Sparsam leben bringt gar nichts, wenn man die Rechnungen futtert.

Die Lösung der ganzen Misere kommt stante pede nach dem Werbeblock mit Weihnachtskreditangeboten:
Zwegat bringt 20000 Euro von den Eltern der Freundin mit. Die täten ihnen nicht sehr weh, sagen sie. Sie haben schon ne super Eckbank in der Küche. Die Kohle wird erstmal zur Renovierung genutzt, bei der auch gleich der neue Arbeitgeber mithilft, den Zwegat am gleichen Tag besorgt hat. Und von all diesen Erfolgen getrieben geht auch die arbeitslose Freundin des frischgebackenen Angestellten los und jettet ins Arbeitsamt. Dort sagt man auch ihr die Worte, die wir alle von der Arbeitsagentur kennen: "Machen Sie sich keine Sorgen!" Erste wirklich unrealistische Szene.

Es geht also voran. Doch die Sendezeit ist um. Zwegat hat auch hier eine Lösung: Wir sehen uns wieder! Bis dahin warten wir jetzt einfach ab, bis die anderen Gläubiger sich melden. Sie sahen ja im Fernsehen, dass sie wieder schreiben dürfen. Wer Jahrzehntelang reflexartig alle Post direkt in den Ausguss befördert, sieht sich hier einer Aufgabe gegenübergestellt, die viel Geduld erfordert. Wenn genügend Post vorliegt, kommt Peter wieder mit seiner Tafel vorbei und alles wird gut. Denn dann geht es hurtig in die Privatinsolvenz. Und die verspricht: Eine Weile die Füße still halten und schon gibt es alle Stereo-Anlagen portofrei ins Haus geliefert. Warum sollen wir es nicht alle wie die Banken machen?

Wir lernen:
Hau die Kohle raus! Wenn Dir wurst ist, dass Du irgendwann mal sechs Jahre lang nicht mehr verdienen darfst als dringend nötig, dann kauf halt den Fernseher! Leute, die ihr Leben lang hart arbeiten gingen, enden oft genauso. Es ist Dein Leben!

Was Du dazu brauchst:

- einen Mann mit Koffer und Anzug, der souverän mit Leuten spricht und eine Tafel hat
- genug dampfende Kacke, damit das Fernsehen kommt
- einen Spiegel, um einen wirklich guten Elendsblick zu üben
- möglichst viele Kinder, um das Elend zu erhöhen

Oft kommt sogar, wie heute gesehen, ein Heiratsantrag dabei raus. Na, wenn das nix ist!