Schöne Bescherung

"Wir schenken uns nichts!" heißt es in vielen Familien zur Weihnachtszeit. Das kann und sollte man auch nicht nur auf die Bescherung beziehen, sondern aufs Miteinander generell. "Wir schenken uns NICHTS!" Wer das sagt, will nicht nur jegliche Gedanken an Aufmerksamkeit den "Geliebten" gegenüber aus dem Kopf vergraulen, sondern er will auch Krieg. Hört man diesen Satz, gilt es zu laufen! Weit und schnell!

Am just vergangenen heiligen Abend erlebte ich, was passieren kann, wenn jemand, der völlig freigeistig durch die Welt stampft, sich erhebt und los geht, um für den Ehemann doch mal ein Geschenk zu erwerben. Irgendwie hat man sich ja doch aneinander gewöhnt in all den Jahren und sich lieb gewonnen.

Im Zuge der Bescherung im Familienkreise stoppte kurz der Lauf der Zeit sowie alle umliegenden Gespräche, als das Wesen, welches mein Onkel irgendwann aus Mangel an Weib zu eben diesem nahm, ihr Geschenk an ihren Ehemann auf den Tisch vor ihm stellte. Mit - und das gilt es vorher zu unterstreichen! - völlig ernster Mine und einem schüchtern hingestammelten "eigentlich wollten wir uns ja nix schenken, aber naja ..." stellte sie ihm das hin, was ihre Liebe zu ihm und zu sich selbst hergab:

Eine Pulle Fa Duschgel! Und zwar OHNE Geschenkpapier!

Noch auf dem Weg in die Küche, den ich sofort rennend einschlug, kamen mir die Tränen vor Lachen. Mein Vater, der immer spülen muss, um irgendwas zu tun, hatte es nicht mitbekommen. "Sie hat ihm ... hust ... keuch ... ne ... aaaahahahaha ... Pulle Duschgel geschenkt! Prust, hechel! Für einsneunundsechzig ausm Aldi! Ich geh kaputt! Prust, heul." Er weinte mit, brauchte aber auch erst ne Weile, um das Geschehene zu begreifen.

Später, als die Tränen trockneten und Atemluft wieder vorrätig war, saß ich mit roten Augen wieder am Tisch. "Sach mal, das hättse aber wenigstens mal einpacken können, oder?" maulte ich sie an. "Hmja", fiel es aus ihrem hohlen Kopf, "aber es war doch auch nichts Besonderes jetzt."